Für die Kinderfreizeiten der Jugendwerks Süddeutscher Mennonitengemeinden (juwe) wird jedes Jahr eigenes Material zu biblischen Personen oder Themen entwickelt. Doch diesmal ging es um Täufergeschichte. Vor 500 Jahren begann ja in Zürich die Täuferbewegung. Im Mennokontext dürften das inzwischen wirklich alle wissen.
Wirklich alle? Auch die Kinder? Lassen sich Themen wie Nachfolge Jesu, Feindesliebe, Distanz zur Obrigkeit, Verweigerung der Säuglingstaufe, Verfolgung und Leiden um des Glaubens willen kindgerecht darstellen? Interessieren sich 8-12jährige für Geschichte? Es kommt darauf an!
Das juwe-Themenheft „Der Schatz der Täufer“ entwickelt die Themen in sechs Einheiten für das Vormittagsplenum der Freizeiten. Mittels Zeitmaschine erscheinen in einem Fernsehstudio Gestalten aus dem 16. Jahrhundert als Gäste: Jörg Blaurock aus Zürich, Susanna Daucher und Hans Denck aus Augsburg, Dirk Willems und Menno Simons aus den Niederlanden. Aber auch die Hebammen Schiffra und Pua, die sich im alten Ägypten dem Befehl des Pharao widersetzen, Neugeborene zu töten.
Jede Themeneinheit wird in einer live gespielten Fernsehshow angerissen. Applausschilder sollen Publikumsreaktionen auslösen. Die etwas begriffstutzige Moderatorin befragt zunächst den Regisseur, dann den jeweiligen historischen Gast. Im Interview wird Glauben und Lebenspraxis der Gäste deutlich. Auch Unterschiede zwischen damals und heute werden thematisiert. Das Material gibt methodische Hinweise für Plenum und Kleingruppen, macht Vorschläge für Spiele und Lieder. Auch das Nachmittagsprogramm nimmt Impulse auf, etwa für das Geländespiel oder für Ausflüge in die Umgebung.
Miriam Lichti, juwe-Referentin für die Arbeit mit Kindern, berichtet, sie habe nicht vorgehabt, ein Themenmaterial über die Täufer zu erarbeiten. Eine entsprechende Anfrage habe sie zunächst vehement abgelehnt. Doch als sie am nächsten Tag aufwachte, hatte sie zu jedem Freizeittag eine Themeneinheit im Kopf. Dazu weitere Ideen zu den einzelnen Einheiten. Sie sah dies als Geschenk Gottes und nahm die Herausforderung an. So entstand mit Hilfe auch einiger Ehrenamtlicher das Themenmaterial „Der Schatz der Täufer“.
Wichtig war Miriam auch, dass sich Kinder aus nicht-mennonitischem Kontext durch die Darstellung täuferischer Grundthemen nicht ausgegrenzt sehen. Etwa wenn sie bereits als Baby getauft wurden. Miriam war dann gespannt, wie das Material den Praxistest bestehen würde. Sie brachte es selbst mit dem Team der Zirkusfreizeit auf dem Weierhof zum Einsatz. Während der Anspiele erlebte sie die Kinder als sehr aufmerksam. So berichteten es auch andere Freizeitteams.
In den Rückmeldebögen schrieben viele Kinder, sie hätten Themen und Anspiele interessant und spannend gefunden. Einige Stimmen: Die Geschichten und Anspiele waren super, weil neu und spannend. – Ich konnte viel von den Täufern lernen. – Die Täufer sind Vorbild für alle. – Das Schauspiel war cool. – Bisschen langweilig (daher „schön“ und „naja“ statt „super“). – Sehr interessant und lustig. – Immer tolle Themen. – Ich liebe Geschichte.
Miriam meint, sie habe selbst auch Neues gelernt. Etwa dass die Obrigkeit oft verwundert war, über das Bibelwissen vieler Täufer, auch einfacher Leute. Dass gerade Analphabeten viele Bibelverse auswendig lernten, wie wir noch heute in Verhörprotokollen nachlesen können. – Das Material schlägt für jedes Tagesthema passenden Bibelvers zum Auswendiglernen vor. Ein Teilnehmer aus nicht-christlichem Elternhaus fand es super, täglich einen neuen Vers zu lernen.
Auch die Rückmeldungen der Freizeitmitarbeitenden (Mitis) waren meist positiv. Es sei spannend gewesen, sagt Miriam, schon beim Vorbereitungstreffen auf dem Thomashof einige Gespräche zu „belauschen“. Da sei es um die Prägung des eigenen Glaubens gegangen und inwieweit täuferische Inhalte den jungen Mitis bewusst oder wichtig sind.
Nun ist geplant, das Themenmaterial „Der Schatz der Täufer“ in größerem Rahmen zu veröffentlichen. Es gibt bereits verschiedene Anfragen.
Wolfgang Krauß
Foto: Das Friedenszeugnis des Täufers Dirk Willems von Kindern erpuzzelt.
