VEF mahnt zu Menschenwürde und demokratischer Verantwortung
Nach dem deutlichen Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewinnt eine kurz vor der Wahl veröffentlichte Stellungnahme der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) zusätzliche Aktualität. Der VEF-Vorstand warnt darin vor einer Verrohung der politischen Sprache, der Abwertung von Menschen und Angriffen auf demokratische und rechtsstaatliche Grundprinzipien.
Bei der Landtagswahl am 6. September wurde die AfD mit 43,8 Prozent mit großem Abstand stärkste Kraft. Auch die leitenden evangelischen und katholischen Geistlichen Sachsen-Anhalts reagierten mit großer Sorge auf das Ergebnis und erklärten, die Kirchen würden sich weiterhin mit dem Evangelium in die gesellschaftliche Debatte einbringen.
Die VEF hatte ihre Stellungnahme bereits am 4. September mit Blick auf die Landtagswahlen im Herbst veröffentlicht. Am 20. September stehen noch die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an. Zur VEF gehören 15 evangelische Freikirchen, darunter auch die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG).
Aus christlicher Sicht, so die Erklärung, besitze jeder Mensch eine unveräußerliche Würde – unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Überzeugung oder sozialem Status. Die Freikirchen treten deshalb für Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. „Die Vielfalt unserer Gesellschaft sehen wir nicht als Bedrohung, sondern als Realität“, heißt es in der Stellungnahme.
Ausdrücklich erinnert die VEF auch an die Verantwortung, die aus den Verbrechen des Nationalsozialismus erwächst. Sie fordert Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und politischem Extremismus. Zuwanderung erlebten die Freikirchen in ihren Gemeinden seit Jahrzehnten als Bereicherung. Politischen Erzählungen, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion pauschal für gesellschaftliche Probleme verantwortlich machten, widerspricht der Vorstand.
Zugleich wirbt die VEF dafür, gesellschaftliche Konflikte offen auszutragen und miteinander im Gespräch zu bleiben. Ängste und Sorgen müssten ernst genommen werden, Kritik an staatlichem Handeln müsse möglich sein. Auch über Migration und Integration müsse eine demokratische Gesellschaft kontrovers diskutieren können. Eine Grenze sei jedoch erreicht, wenn Menschen abgewertet oder entmenschlicht, ihre gleichen Rechte infrage gestellt oder demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien angegriffen würden. Von populistischen Parteien und Positionen, die die Gesellschaft spalten wollten, grenze man sich klar ab. Gegenüber deren Wählerinnen und Wählern solle die Tür zum Gespräch jedoch offen bleiben.
Die Stellungnahme schließt mit dem Aufruf, gerade dort christliche Hoffnung sichtbar werden zu lassen, wo gesellschaftliche Debatten von Angst geprägt sind.
Wortlaut der Erklärung unter https://www.vef.de/media/pages/erklarungen/dd931a8f33-1788771100/stellungnahme-vef-herbst-2026.pdf
