Die äthiopische Meserete Kristos Church (MKC) hat ihren Austritt aus der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) beschlossen. Bei ihrer nationalen Versammlung am 4. September 2026 stimmten nach Angaben der MWK 98,3 Prozent für den Austritt. Die MKC war bislang die größte Mitgliedskirche der weltweiten Gemeinschaft.

Wie die Mennonitische Weltkonferenz mitteilte, war dem Beschluss eine längere Phase des Gebets, der Beratung und Entscheidungsfindung vorausgegangen. Vertreterinnen und Vertreter der MKC, die bislang in Kommissionen und Netzwerken der MWK mitarbeiteten, legen mit dem Austritt auch diese Aufgaben nieder.

Als entscheidenden Grund für den Schritt nennt die Kirchenleitung der MKC unterschiedliche Positionen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen. In ihrer Erklärung bekräftigt die MKC ihr Verständnis der Ehe als lebenslange Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau. Die weitere Mitgliedschaft von Kirchen und Konferenzen in der MWK, die gleichgeschlechtliche Beziehungen akzeptierten und befürworteten, stehe nach Auffassung der MKC im Widerspruch zum Zeugnis der Heiligen Schrift. Zugleich spricht die Kirchenleitung von einer zunehmenden theologischen Spaltung, welche die Einheit des Leibes Christi bedrohe.

Bereits im November 2025 waren innerhalb der MKC Bedenken über die Verbindung mit MWK-Mitgliedskirchen aufgekommen, die gleichgeschlechtliche Beziehungen bejahen. Damals zog die MKC auch ihre Einladung zurück, 2028 Gastgeberin der Vollversammlung der Mennonitischen Weltkonferenz zu sein. Es folgten monatelange Gespräche innerhalb der Kirche in Äthiopien und mit Mitgliedern der äthiopischen Diaspora.

MWK-Generalsekretär César García bezeichnete unterschiedliche Auffassungen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen als eine ernsthafte Herausforderung für die weltweite Gemeinschaft. Die MWK selbst habe keine Position zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen beschlossen. Seit mehr als zwölf Jahren suche sie nach einem Weg, mit unterschiedlichen Auffassungen, Missverständnissen und unbestätigten Gerüchten umzugehen. Ein Grundsatz sei dabei leitend gewesen: Wenn Kirchen mit Meinungsverschiedenheiten konfrontiert seien, seien sie von Gott dazu berufen, in den Dialog zu treten und gemeinsam Gottes Willen zu erkennen.

MWK-Präsident Henk Stenvers äußerte sein Bedauern über den Austritt und sprach der MKC den Segen für ihren weiteren Weg aus. Ihre Lebendigkeit und ihre Leidenschaft für Evangelisation seien für viele Menschen innerhalb der weltweiten Gemeinschaft eine Inspiration gewesen. Zugleich betonte Stenvers die Selbstständigkeit lokaler und nationaler Kirchenstrukturen.

Die MWK wolle sich weiterhin an den sieben gemeinsamen Überzeugungen orientieren, die der General Council 2006 im Konsens verabschiedet hatte. Stenvers bat darum, für die Mennonitische Weltkonferenz zu beten, während sie versuche, gemeinsam Gottes Willen zu erkennen und die Einheit des Geistes als weltweite Gemeinschaft zu bewahren.

Die Meserete Kristos Church hatte zuletzt mehr als eine halbe Million getaufte Mitglieder und war damit mit Abstand die größte Mitgliedskirche der Mennonitischen Weltkonferenz.

Quelle: Mennonitische Weltkonferenz, Mitteilung vom 4. September 2026 https://mwc-cmm.org/en/stories/mkc-withdraws-from-mwc/

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