Was bedeutet das neue Wehrdienstmodernisierungsgesetz? Ist Kriegsdienstverweigerung (KDV) heute noch relevant? Sind internationale Freiwilligendienste eine Alternative und können sie als Friedensdienste verstanden werden? Wie wird das mennonitische Friedenszeugnis im Angesicht von Wehrdienst und KDV in Deutschland und in Kolumbien gelebt? Und lässt sich in Deutschland auf Grundlage des Friedenszeugnisses eine gemeinsame Position entwickeln?
Diesen Fragen widmen sich im September die Digitalen Donnerstage der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG) unter dem Titel „Wehrdienst – echt jetzt?! Dein, mein und unser Friedenszeugnis“. Organisiert wird die vierteilige Reihe vom Mennonitischen Friedenszentrum Berlin (MFB), dem Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (DMFK) und Christliche Dienste (CD).
3. September (MFB): Was bedeutet der neue Wehrdienst und was ist eigentlich die Kriegsdienstverweigerung?
Der Einstieg gehört den Betroffenen selbst. Wer ist wehrpflichtig? Wie groß soll die Truppe künftig werden, und ab wann könnte eine verpflichtende Einberufung tatsächlich kommen? Und was gilt für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung – nicht nur im Kriegsfall, sondern auch jetzt, in Friedenszeiten?
Alida Schmidt bringt als Mennonitin und Jugendliche ihre eigene Position ein und berichtet, warum Kriegsdienstverweigerung für sie eine Haltung ist, die ihr Leben prägt. Anthea Bethge (MFB) informiert außerdem über die rechtliche Situation für Menschen, die selbst betroffen sind oder es künftig sein könnten. Auch Fragen der Teilnehmenden sollen an diesem Abend Raum haben.
10. September (CD): Bleiben internationale Freiwilligendienste als Friedensdienste eine Alternative?
Freiwilligendienste im Ausland waren für viele Jugendliche über Jahrzehnte als Zivildienst eine Alternative zum Wehrdienst. Gleichzeitig können sie auch inhaltlich als Friedensdienst verstanden werden. Doch wie sicher ist diese Alternative, wenn sich mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz die politischen Rahmenbedingungen verändern?
Unter der Moderation von Megan Rosenwink (CD) kommen vier Perspektiven zusammen: Joel Driedger hat seinen Anderen Dienst im Ausland (ADiA) absolviert und berichtet, was ein Auslandsfreiwilligendienst als Alternative zum Wehrdienst für ihn persönlich bedeutet hat. Jakob Lehmann spricht darüber, inwiefern sich sein Freiwilligendienst tatsächlich wie ein Friedensdienst angefühlt hat. Juan Pablo Cortes, derzeit Freiwilliger beim Jugendwerk (JUWE), nimmt die Friedenspotenziale internationaler Kooperationen in den Blick.
Jan-Thilo Klimisch, Referent für internationale Freiwilligendienste bei der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), ordnet die politischen Rahmenbedingungen ein: Wie war die Situation vor 2011 geregelt, welche Möglichkeiten hatten Kriegsdienstverweigerer damals im Ausland und was bedeutet die aktuelle Gesetzeslage für die Zukunft geförderter und anerkannter Freiwilligendienste? Zum Abschluss soll es auch darum gehen, wie solche Möglichkeiten für junge Menschen erhalten und politisch unterstützt werden können.
17. September (DMFK): Friedenskirche sein über Grenzen hinweg – Gelebtes Friedenszeugnis der Geschwisterschaft IMCOL-AMG in Kolumbien und Deutschland
Erst wenige Monate ist es her, dass eine Delegation der mennonitischen Kirche in Kolumbien (IMCOL) die AMG in Deutschland besucht hat. Tim Thiessen (DMFK) lädt an diesem Abend dazu ein, Erkenntnisse und Herausforderungen für das Friedenszeugnis von Mennonit:innen in Kolumbien und Deutschland mit Blick auf den Wehrdienst zu reflektieren.
Im Mittelpunkt steht die Frage, was aus der zweijährigen Geschwisterschaft für die Friedenskirchen gelernt werden kann. Grace Morillo und Isabella Bermudez von der IMCOL sowie Fernando Enns und Niklas Mekelburger von der AMG diskutieren darüber, was es heißt, mennonitische Friedenskirche zu sein und welchen Stellenwert die Kriegsdienstverweigerung dabei hat.
Der Abend blickt auch nach vorn: Wie soll die Geschwisterschaft zwischen IMCOL und AMG weitergehen und wie können junge Menschen auf beiden Seiten in friedenspolitischen Fragen unterstützt werden? Die Veranstaltung findet auf Englisch mit deutscher und spanischer Übersetzung statt. Anschließend ist eine offene Austauschrunde mit den Gästen aus Kolumbien vorgesehen.
24. September (MFB): Wie gehen wir mit der neuen Situation des Wehrdienstes als Mennonit:innen in Deutschland um?
Der letzte Abend dreht sich um die Frage, wie Mennonit:innen in Deutschland mit Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung umgehen. Gibt es eine gemeinsame Position? Wie haben sich mennonitische Gemeinschaften historisch zum Wehrdienst verhalten und lässt sich daran heute anknüpfen? Gibt es ein gemeinsames Friedenszeugnis und wie kann dieses in den öffentlichen Diskurs eingebracht werden? Auch die Frage, wie junge Menschen bei ihrer eigenen Haltungsbildung unterstützt werden können, soll eine Rolle spielen.
Unter der Moderation von Anthea Bethge werden dabei auch Stimmen und Erkenntnisse aus den drei vorangegangenen Abenden aufgegriffen. Der Abend soll dem Austausch zwischen mennonitischen Gemeinden in Deutschland dienen.
Die vier Veranstaltungen finden jeweils donnerstags um 19:30 Uhr digital über Zoom statt.
Zugang: Meeting-ID: 815 3709 7907 – Passwort: mennos
https://us02web.zoom.us/j/81537097907?pwd=aWF6YnJEZ3dDdWRVRExjQkhta0dNZz09
Weitere Informationen zum Digitalen Donnerstag unter https://www.mennoniten.de/digitaler-donnerstag/
