Eine Ausstellung im Bundesrat erzählt die Geschichte des mennonitischen Predigers Johannes Risser und seiner Familie, die 1832 von Friedelsheim in der Pfalz in die Vereinigten Staaten auswanderte. Die Schau „16/16 Geschichten aus dem Deutschen Auswandererhaus“ ist noch bis zum 31. Oktober 2026 zu sehen.
Johannes Risser wurde 1788 als Sohn einer mennonitischen Bauernfamilie in Friedelsheim geboren. Seit 1825 wirkte er als Prediger in der dortigen Gemeinde. Sieben Jahre später entschloss er sich gemeinsam mit seiner Frau Katharina und den acht Kindern zur Auswanderung. Wie viele andere Mennoniten folgte die Familie Verwandten nach Pennsylvania. Sie verband damit die Hoffnung auf größere religiöse Freiheit und bessere Zukunftsmöglichkeiten.
In Bremen ging die Familie an Bord des Segelschiffs „Elizabeth“. Die Überfahrt nach New York dauerte zwei Monate. In Briefen an seinen Schwager schilderte Risser später die Belastungen der Reise. Seine jüngste Tochter erkrankte schwer an den Folgen der Überfahrt. Weil Rissers Frau das Kind aufgrund ihrer eigenen Seekrankheit nicht mehr stillen konnte, versorgte der Kapitän das Mädchen mit der Milch einer Ziege, die sich an Bord befand. Das Kind überlebte die Reise.
Auch nach der Ankunft blieb die Familie zunächst unterwegs. Anders als geplant konnte sie nicht in Pennsylvania bleiben und zog weiter nach Pittsburgh. Dort verbrachte sie den Winter. 1833 erwarb Johannes Risser schließlich Land im benachbarten Ohio.
Risser engagierte sich auch in den Vereinigten Staaten weiter für die mennonitische Gemeinschaft. In seinen Briefen berichtete er unter anderem von der Religionsfreiheit und vom Zusammenhalt innerhalb der Gemeinden. 1845 veröffentlichte er eine umfangreiche Schrift mit dem Titel „Glaube und Lehre von der Taufe der Mennoniten in Deutschland“.
Die Briefe der Familie Risser gehören heute zur Sammlung des Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven. Für die Ausstellung im Bundesrat wählte das Museum 16 Lebensgeschichten aus mehr als 3.500 Familien- und Einzelbiografien seiner Sammlung aus. Jede Geschichte steht für eines der 16 Bundesländer. Johannes Rissers Lebensweg vertritt Rheinland-Pfalz.
Die mennonitische Geschichte Friedelsheims reicht bis ins Jahr 1665 zurück. Damals fanden aus der Schweiz vertriebene Familien dort Zuflucht und gründeten auf dem heutigen Mennonitenhof eine Gemeinde. Einschränkungen der Religionsausübung und wirtschaftliche Gründe führten im 18. und 19. Jahrhundert dazu, dass zahlreiche Mennoniten aus der Pfalz nach Nordamerika oder Osteuropa auswanderten.
Die Ausstellung im Bundesrat entstand auf Einladung des damaligen Bundesratspräsidenten Andreas Bovenschulte. Sie stellt Migrationsgeschichten aus unterschiedlichen Zeiten und Perspektiven vor und verbindet diese mit den 16 Bundesländern.
Die Ausstellung kann bis zum 31. Oktober 2026 im Rahmen von Führungen besucht werden. Informationen zu Terminen und Anmeldung gibt es unter: https://www.bundesrat.de
Weitere Informationen zum Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven stehen unter: https://www.dah-bremerhaven.de
