Vom 14. bis 17. Mai 2026 fand im niederländischen Amersfoort die CMERK statt, die europäische mennonitische Konferenz. Rund 600 Teilnehmende kamen zusammen, um Gottesdienste zu feiern, Bibeltexte miteinander zu lesen, Workshops zu besuchen, internationale Kontakte zu pflegen und mennonitische Gemeinschaft über Ländergrenzen hinweg zu erleben.

Viele Teilnehmende kehrten erfüllt und bewegt von diesen Tagen zurück. Joel Driedger war mit einer kleinen Gruppe aus Karlsruhe in Amersfoort dabei. In seinem persönlichen Rückblick beschreibt er Eindrücke von Gottesdiensten, Workshops, Begegnungen und Momenten, die ihm besonders nahegegangen sind.

Tanzen, Lernen, Begegnen, Feiern – das war die CMERK 2026

Ein persönlicher Rückblick von Joel Driedger

Es fällt mir sehr schwer, die vier Tage voller Leben in Worte zu fassen. In Amersfoort begegneten wir sehr schnell alten und neuen Bekannten. Nicht nur europäische Mennoniten aus Portugal, Spanien, Frankreich, Litauen, Deutschland, der Schweiz, der Ukraine und Albanien waren da, sondern auch Geschwister aus den USA, Kanada, Kolumbien, Honduras, Costa Rica, Japan, Malawi, Äthiopien, Indonesien, Uganda, Tansania und der Demokratischen Republik Kongo.

Der erste Abend war festlich gestaltet, ein Abend zum Warmwerden. Der Sandkünstler Gert van der Vijver erzählte die Geschichte Gottes mit den Menschen von der Schöpfung über die Arche Noah bis zu Jesus, der auf dem stürmenden See die Hand ausstreckt und Petrus einlädt, auf dem Wasser zu laufen.

Jeden Tag wurden zwei Gottesdienste gefeiert. Morgens freute ich mich am meisten über die Bibelgespräche. Es wurde immer ein längerer Bibeltext vorgelesen. Danach bildeten die 600 Teilnehmenden kleine Murmelgruppen mit drei bis fünf Personen und tauschten sich miteinander über den Text aus. Ich war einmal in einer Murmelgruppe mit einer US-Amerikanerin und einer Frau aus Äthiopien. Beide Frauen sind Unternehmerinnen und halfen mir zu verstehen, dass Jesus nicht grundsätzlich etwas gegen Geld hat, sondern gegen Gier und Egoismus.

In den Abendgottesdiensten hörten wir „Glimpses of God“. Fünf Personen erzählten, wie sie an diesem Tag Gott ganz persönlich erfahren hatten. Auf der Bühne standen Jugendliche und Seniorinnen, Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und Bildung. Sie erzählten, was sie mit Gott erlebt hatten. Ein junger Mann aus Spanien erzählte, dass Gott an diesem Tag den Regen genau zur richtigen Zeit gestoppt hatte, weil er seine Jacke zu Hause gelassen hatte. Drei albanische Mädchen erwähnten, wie tief sie durch persönliche Worte der Ermutigung bewegt worden waren. Ein Senior aus Frankreich hielt fast eine kleine Predigt, als er deutlich machte, wie tief ihn die Predigten auf der CMERK getroffen hatten.

Es gab über die Tage der Konferenz eine ganze Reihe von Workshops, durch die ich gewissermaßen eine kleine Reise um die Welt machen durfte. Der Präsident der äthiopischen Mennoniten war da und erzählte, dass die mennonitische Meserete-Kristos-Kirche jedes Jahr um 10 Prozent wächst. Bald gibt es ungefähr 600.000 mennonitische Christinnen und Christen in Äthiopien. In einem anderen Workshop erzählte ein litauischer Bruder über die zehn mennonitischen Gemeinden in Litauen, die mit ihren insgesamt 250 Mitgliedern eine erstaunliche Dynamik entfalten. Eine Gemeinde in Vilnius hat vier Musikerinnen in ihren Reihen, die eigene Lieder schreiben und schon bald ein eigenes Gesangbuch füllen könnten.

Aus der Ukraine waren Maxym und Anya Oliferowski aus Saporischschja angereist und berichteten quasi direkt von der Frontlinie. Der Krieg hat schreckliche Konsequenzen für das Land und die Menschen. Viele Gemeinden haben sich aufgelöst, es gibt Gewalt und Zerstörung. Maxym und Anya waren erschöpft, aber nicht hoffnungslos. Sie berichteten auch von Wundern. Von ihrer Arbeit für Hilfe und Hoffnung in der Nachbarschaft. Von Menschen, die zum Glauben finden, und von neuen Gemeinden, die entstehen. Am Ende ihres Workshops nahmen wir uns spontan alle an der Hand und beteten für die beiden und die Menschen in der Ukraine.

Schließlich war ich noch in einem Workshop, in dem es um die Zusammenarbeit zwischen Nordamerika und Europa ging. Zukünftig wird es wohl noch weniger nordamerikanisches Engagement in Europa geben, aber noch gibt es einige Projekte. Ich lernte ein junges amerikanisches Ehepaar kennen, das seit zwei Jahren das Paris Mennonite Center betreut.

Am schönsten war für mich der Abschlussgottesdienst. Die Jugendlichen brachten der ganzen Menge einen Tanz bei und alle tanzten mit. Ein besonderer Moment war nach dem Abendmahl. Alle standen auf, um sich gegenseitig zu segnen. Das Lied „We are Marching in the Light of God“ wurde angestimmt, und diesmal begannen die Leute spontan zu tanzen. Das war wunderbar.

Natürlich sollte ich auch die beiden Predigten über die Emmaus-Geschichte in Lukas 24 erwähnen, die mich beide sehr inspirierten. Jesus, der die verzweifelten Jünger begleitet, auch wenn sie ihn erst nicht sehen. Und als sie ihn dann endlich erkennen, ist er auf einmal nicht mehr da. Jesus ist nur so lange ihr Begleiter, bis ihr Herz brennt. Das ist überraschend, aber auch ein Geheimnis des Glaubens.

Wir als Gemeinde können uns vornehmen, so ein Lebensbegleiter für Menschen oder sogar für unsere Nachbarschaft, Stadt und Gesellschaft zu sein. Das war das Thema der zweiten Predigt. Wir sind nicht nur Weggemeinschaft für uns selbst, sondern wir begleiten auch andere in ihren Fragen und Herausforderungen. Wir hören zu und sind einfach da. Und wenn sie für unsere Botschaft offen sind, dann sprechen wir unsere gute Nachricht aus, lassen uns einladen, brechen das Brot mit ihnen und bringen die Herzen zum Glühen. Die Jünger in der Geschichte folgen dem Brennen ihres Herzens und kehren nach Jerusalem zurück. Genau das sollten auch wir tun und unserer inneren Leidenschaft folgen.

Ich bin noch ganz erfüllt von der CMERK und die Melodien der Lieder gehen mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf. Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen mitnehmen in diese intensiven Tage.

Joel Driedger

Mehr Berichte, Eindrücke und Bilder von der CMERK erscheinen in der nächsten Ausgabe der mennonitischen Gemeindezeitschrift Die Brücke, die im Juli veröffentlicht wird. Auch einige der Vorträge und Predigten werden abgedruckt. Die Redaktion freut sich über weitere persönliche Rückblicke, Fotos und kurze Berichte von Teilnehmenden an redaktion.bruecke@mennoniten.de

Foto: Niklas Mekelburger

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