Täufergeschichte(n) vom Immelshäuserhof

Monatlich lädt der Mennonitische Geschichtsverein zu Zoom-Veranstaltungen zur Täufergeschichte ein. Am Montag, dem 07.11.2022 berichtete Elisabeth Kludas über die Berner Täuferfamilie Binkele, die seit 1728, also 285 Jahre, auf dem Immelhäuserhof lebt. Zuvor war seit ca. 1650 die Züricher Täuferfamilie Oberholtzer als Pächter auf dem Hof. Vermutlich kam sie mit der großen Gruppe Züricher Täufer, die 1650 von den Reichsrittern von Venningen aus dem Elsass in den Kraichgau geholt worden war. Sie sollten das vom 30jährigen Krieg verwüstete und entvölkerte Land aufbauen helfen und dafür Religionsfreiheit genießen. Sie durften allerdings nicht missionieren, was die Mennoniten 200 Jahre lang prägen sollte.

1671/72 flohen 700 verfolgte Täufer aus dem Kanton Bern und strandeten im Elsass und der gesamten Pfalz. Auch in der Gemeinde Immelhausen. Niederländische Taufgesinnte halfen in einer beispiellosen Aktion. Am 6. April 1672, als Max Oberholtzer Pächter war, wurde auf dem Immelhäuserhof die Liste der Hilfsgüterverteilung fertig gestellt. Sie befindet sich im Archiv in Amsterdam.

Samuel Oberholtzer erwarb als Meistbietender die Erbpacht und vererbte sie 1704 an seine Schwiegersöhne Jakob Kendig und Martin Frey. Jakob Kendig wiederum gab seine Hälfte der Erbpacht an seinen Schwiegersohn Christian Binkele weiter. Jakob selbst zog nach Mutterstadt und wurde dort Mitpächter von Vinzenz Möllinger, dem Vater des berühmten David Möllinger. Die Heirat mit der namentlich nicht bekannten Kendig-Tochter machte Christian Binkele (1705-1775) zum Erbpächter des halben Immelhäuserhofes. Er war Prediger und später Ältester der Mennonitengemeinde Immelhäuserhof. Er ist im sog. Friedensbrief von 1762 genannt und 1770 in der Niederschrift einer Versammlung von Dienern und Ältesten auf dem Immelhäuserhof. Beide Male ging es darum, einen Streit um den Mennonitenprediger Peter Weber (1731-1781) von Kindenheim bei Bad Dürkheim zu schlichten. Der orientierte sich am Pietismus und stand mit vielen Mennoniten bis nach Amerika in lebhaftem Briefwechsel. Die Briefe sind in der Mennonitischen Forschungsstelle im Weierhof.

Christian Binkele war dreimal verheiratet. Die Erbpacht führten seine Söhne Christian aus zweiter Ehe mit Barbara Herr und Heinrich aus dritter Ehe mit Christina Frey fort. Deren Enkel Christian (Isaaks Sohn) und Jakob bauten 1857 ein neues Bethaus. Der Immelhäuserhof besitzt einen Friedhof, weil anfangs evangelische wie katholische Pfarrer die Bestattung von Täufern auf ihren Kirchhöfen verweigerten. Drei Grabsteine sind erhalten.

Trotz vieler Wegzüge und Auswanderungen lebten im 19. Jahrhundert bis zu 7 Pächterfamilien auf dem Immelhäuserhof. Als der Eigentümer, das Stift Sinsheim, 1855 den Hof verkaufte, mussten sie Geld aufnehmen und in den Folgejahren drückten Kriegssteuern, Militäreinquartierungen und schlechte Erlöse wegen billiger Importe. Verkäufe und Zwangsversteigerungen brachten eine Leidenszeit über die Mennoniten auf dem Immelhäuserhof. Nur eine einzige Familie konnte sich auf dem Hof halten, deren Nachkommen sind aber bis heute dort.

Der Vortrag ist erhältlich bei Elisabeth.Kludas@t-online.de

Am Montag, dem 05.12.2022 meldet sich Iris Merkel, die Gästeführerin aus Monsheim, die schon am Pfingstmontag mit Astrid von Schlachta auf den Spuren der Täufer durch Kriegsheim und Monsheim führte. Sie erzählt über die bisher wenig bekannte Mennonitenfamilie Finger in Monsheim, die Vorfahren und Nachkommen des Daniel Finger *1800 + 1866, Müller auf der oberen Schlossmühle in Monsheim. Iris Merkel berichtet über den Stand ihrer Suche und über eine Führung durch Monsheim zu Ehren einer 101jährigen Nachkommin.

Wie immer von 19:30 – 21 Uhr, Einwahl über https://www.mennonitischer-geschichtsverein.de/mennonitische-familienforschung-per-zoom/

Danach ist am Montag, dem 02.01.2023 Winterpause für einen Familientag statt Familienforchungstag.

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