Am 03.10.2022 gab es einen Zoom-Abend zur Mennonitischen Familienforschung mit Rosalind Beiler, Professorin für Einwanderungsgeschichte in Amerika an der Universität von Central Florida in Orlando.

Sie begann mit der Geschichte ihrer Inspiration für ihr aktuelles Projekt – PRINT – People, Religion, Information Networks, and Travel (https://chdr.cah.ucf.edu/print/). 1736 schrieb der Quäker-Kaufmann Caspar Wistar aus Philadelphia einen Brief, in dem er bei seinem Geschäftspartner in Neckargemünd eine Bestellung für Gewehre und andere Handelswaren aufgab. Wistar wies ihn an, zu Jacob Schnaebeli, einem Ältesten der „Annabaptisten“ in Mannheim, zu gehen und ihn zu bitten, Auswanderer zu finden, die nach Pennsylvania gingen. Sie sollten seine Waren mit ihren Haushaltsgegenständen transportieren. Er fügte hinzu, dass Schnaebeli die Leute kenne, die nach Pennsylvania auswanderten. Rosalind Beiler will wissen, warum ein mennonitischer Ältester wusste, wer in die britischen Kolonien ging. Und sie will auch die Kommunikationsnetzwerke – von Täufern, Quäkern und Pietisten – verstehen, die aus Wistars Briefen hervorgehen. Drei religiöse Minderheiten, im Grundsatz der Wehrlosigkeit verpflichtet, fanden sich als politische Akteure wieder, die man für verlässlich hielt. Von den niederländischen Taufgesinnten ist bekannt, dass sie sich vor den Vertreibungen der Täufer aus dem Kanton Bern international politisch einsetzten, um die Stimmung gegen die Täufer noch zu wenden.

Rosalind Beiler sucht nun Freiwillige, die viele Hunderte erhaltener Briefe transkribieren, so dass die Inhalte digital ausgewertet werden können. Einen solchen Brief begann die Gruppe Wort für Wort und Zeile für Zeile gemeinsam zu entziffern und in eine spezielle Software einzugeben. Sie bekam mündlich und schriftlich ausführliche Anleitungen. Es machte so viel Spaß, dass an einen weiteren Abend im nächsten Jahr gedacht wird, an dem Rosalind Beiler vom Fortgang ihres Projektes berichtet und nochmal Gelegenheit gibt, das Lesen alter Handschriften zu üben. Wer Interesse hat beim Transkribieren zu helfen, informiert sich unter https://www.zooniverse.org/projects/printmigrationnetwork/print und meldet sich bei Rosalind Beiler Rosalind.Beiler@ucf.edu

Am Montag, dem 07.11.2022 von 19:30 – 21 Uhr ist das Thema: 285 Jahre auf dem Immelhäuserhof – Die Täuferfamilie Binkele. Elisabeth Kludas berichtet über die Linie, die bis heute auf dem Immelhäuserhof bei Sinsheim lebt. Wiltrud Flothow, Lehrerin und Geschichtsforscherin in Sinsheim trug mit ihren Recherchen in den Archiven der Stadt Sinsheim und im Generallandesarchiv Karlsruhe wesentlich bei, die ersten Jahrzehnte der Täufer und Mennoniten auf dem Hof zu erhellen. Der amerikanischen Binkley Group gelang es, die Vorfahren zurück bis 1600 in Wahlern und Guggisberg im Kanton Bern zu finden.

Wer teilnehmen möchte, wählt sich bitte über die Homepage des Mennonitischen Geschichtsvereins ein: https://www.mennonitischer-geschichtsverein.de/mennonitische-familienforschung-per-zoom/

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