Niederländischer mennonitischer Theologe Carl Friedrich Brüsewitz verstorben

STRASSBURG -  Carl Friedrich Brüsewitz, der von 1978 bis 1984 im Vorstand der Mennonitischen Weltkonferenz als Vizepräsident für Europa aktiv war, ist am 2. Oktober 2008 im Alter von 89 Jahren friedlich entschlafen.

Neben seiner internationalen Arbeit bei der MWK hat Brüsewitz auch auf nationaler Ebene jahrzehntelang eine wichtige Rolle in der mennonitischen Kirche gespielt. Brüsewitz, der in Den Haag zur Welt kam und aufwuchs, studierte Theologie und diente dann als Pastor in niederländischen Gemeinden – von 1943 bis 1946 in der Gemeinde Balk (Friesland) und dann in Utrecht (1946-1965). Danach wirkte er bis zu seinem Ruhestand 1986 als oberster Vertreter der protestantischen Gefängnisseelsorger der Niederlande. In dieser Funktion führte er häufig Verhandlungen mit dem Justizminister über die zulässige Rolle der Kirchen in der Gefängnisarbeit.

Von 1971 bis 1979 war er Vorsitzender der ADS (Algemene Doopsgezinde Sociëteit), dem Gremium der Mennoniten in den Niederlanden. Er stand auch dem niederländischen mennonitischen Geschichtsverein und der Mennonitischen Friedensgruppe vor, in der Barbara Brüsewitz-Meihuizen, seine inzwischen verstorbene Ehefrau, aktiv war.

Im Zweiten Weltkrieg engagierte sich Brüsewitz im Widerstand und war mehrere Monate lang in einem der grausamsten Konzentrationslager der Nazis in den Niederlanden inhaftiert. Nach dem Krieg übersetzte er Harold Benders Schrift “The Anabaptist Vision” ins Niederländische.

Brüsewitz stand mit Weisheit und Treue für die Tradition der gegenseitigen Toleranz ein, die die niederländischen Mennoniten seit Jahrhunderten prägt. Er war humorvoll, ein aktiver Liebhaber klassischer Musik und ein Mann von Grundsätzen. Am Sonntag nach dem Tod des US-Präsidenten Franklin Roosevelt (12. April 1945) – in den letzten, gefährlichen Wochen des Zweiten Weltkriegs – predigte er in seiner Gemeinde in Balk über den Tod von Mose, der das Gelobte Land selbst nicht mehr betreten durfte. Alle Gottesdienstbesucher begriffen ganz genau, worauf die Predigt anspielte.

In seinen letzten Lebensjahren war Brüsewitz Pastor in seinem Heimatort Zwolle. Zwei seiner vier Söhne wurden ebenfalls mennonitische Prediger.

Sein Tod ist ein großer Verlust für die niederländischen Mennoniten und die weltweite mennonitische Bewegung. Wir sind dankbar für seinen lebenslangen Dienst. Möge sein Gedenken vielen Menschen zum Segen gereichen.

Autor: Alle G. Hoekema