Michael-Sattler-Friedenspreis 2016 für Christlich-Muslimische Friedensinitiative in Nigeria

MichaelSattlerGedenkstein (Gregor Helms)

BAMMENTAL – Der Michael-Sattler-Friedenspreis 2016 geht an die Ekklesiyar Yan’uwa a Nigeria (EYN) und ihre 2010 mit muslimischen Partnern gegründete „Christian and Muslim Peace Initiative” (CAMPI). Der Preis wird am Freitag 20.5.2016, 19 Uhr in Rottenburg am Neckar verliehen. Als Gäste aus Nigeria werden dazu erwartet: Ephraim Kadala (55), Pastor und Friedenskoordinator der EYN, und Hussaini Shuaibu (51), Fachhochschullehrer, Mediator und muslimischer Mitarbeiter von CAMPI.

Die Ekklesiyar Yan’uwa hat ihr Hauptverbreitungsgebiet im Nordosten Nigerias. Als größte christliche Kirche der Region leidet sie seit Jahren unter den Angriffen der islamistischen Terrororganisation Boko Haram. Von den im April 2014 entführten 276 Schulmädchen gehörten die meisten (178) zur Ekklesiyar Yan’uwa. Etwa 2000 ihrer Kirchen wurden zerstört, mehr als 10.000 Glieder, darunter sechs Pastoren, getötet.Tausende mussten ihre Heimatorte verlassen. Schulen und theologische Seminare wurden zerstört oder mussten schließen.

Trotz der Agression hält die EYN fest an der Friedensbotschaft des Evangeliums und verzichtet auf den Ruf nach Vergeltung. Sie unterrichtet ihre Glieder und besonders die junge Generation in der biblischen Lehre von Frieden und Versöhnung, knüpft Kontakte zu dialogbereiten Muslimen und Moscheen. Mit ihren Programmen für Frieden und Gerechtigkeit arbeitet sie gegen die ökonomischen und politischen Ursachen der Gewalt. So verweigert sie sich nicht nur der gewaltsamen Konfrontation – es gibt viele Beispiele persönlicher Feindesliebe – sondern leistet einen aktiven Beitrag zum Aufbau friedlicher Koexistenz von Muslimen und Christen.

Ekklesiyar Yan’uwa heißt auf Deutsch „Kirche der Geschwister“ oder wörtlich „Kirche der Kinder einer Mutter“. So umgeht die von Missionaren der amerikanischen Church of the Brethern 1923 gegründete Kirche in der Sprache der Haussa das Problem der maskulin geprägten Bezeichnung ihrer Mutterkirche. Die EYN hat ihren Schwerpunkt im Nordosten Nigerias und ist seit 1972 unabhängig.

Etwa eine Million Glieder versammeln sich in über 2000 Gemeinden. Seit 1963 wird sie unterstützt von der Basler Mission, heute „Mission 21“. Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ist sie seit 1985. Die EYN versteht sich als Teil der weltweiten historischen Friedenskirchen. Ihre Mutterkirche, die Church of the Brethren, entstand im 18. Jahrhundert im radikalen deutschen Pietismus (Schwarzenauer Täufer), wanderte jedoch vollständig nach Amerika aus.

Der Michael-Sattler-Friedenspreis wurde 2006 zum 50jährigen Bestehen des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees (DMFK) erstmals vergeben. Zum 60jährigen des DMFK wird der Preis nun zum fünften Mal verliehen. Wolfgang Krauß, Mitglied im Preiskomitee, meint, die EYN sei angesichts ihrer Feindesliebe und Leidensbereitschaft eine besonders würdige Preisträgerin. Schließlich sei die Hinrichtung Michael Sattler am 21.5.1527 aus demselben Grund geschehen. Auch er wollte der damaligen „Türkengefahr“ mit Gebet und Liebe begegnen.

Auf der neu eingerichteten Netzseite www.michael-sattler-friedenspreis.de sind die Termine der öffentlichen Veranstaltungen und weitere Infos abzurufen.

Die Preisträger berichten gerne. Sie können zu Veranstaltungen eingeladen werden.
Infos bei www.dmfk.de, info@dmfk.de, 06223-5140

Foto: Gedenkstein für die Märtyrer der Täuferbewegung Michael Sattler und Margaretha Sattler in Rottenburg am Neckar (†1527) – Gregor Helms

3 Kommentare zu Michael-Sattler-Friedenspreis 2016 für Christlich-Muslimische Friedensinitiative in Nigeria

  1. […] Kirche und Christlich-Muslimische Friedensinitiative am 20.05. in Rottenburg am Neckar. (siehe Mennonews-Meldung vom 22.02.)  – Ausgerechnet im Nordosten Nigerias wird die aufgeregte Anti-Islam-Polemik der letzten […]

  2. Gertraud Mitternacht sagt:

    18.05.2016 Gestern abend als Gast in Hamburg im Ökumenischen Zentrum bin ich tief beeindruckt von den Berichten der Herren Ephraim Kadala und Hussaini Shuaibu. Das Gehörte gibt mir neuen Mut, in meinem muslimisch-christlichen Lebenskontext Ideen für ein friedliches Miteinander zu entwickeln. Herzlichen Dank!
    Gottes Segen wünscht
    g.m. aus Pinneberg

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