Die Mennonitische Weltkonferenz (MWK) hat am 21. August ein Schreiben veröffentlicht, in dem sie angesichts anhaltender Spannungen über gleichgeschlechtliche Beziehungen zur Einheit und zum gemeinsamen Gespräch aufruft. Zugleich stellt die MWK klar, dass es innerhalb der weltweiten Gemeinschaft in dieser Frage keinen Konsens gibt und sie selbst keine Position dazu beschlossen hat.

Unter dem Titel „A call to the unity of the Spirit“ („Ein Aufruf zur Einheit des Geistes“) erinnert Generalsekretär César García an den biblischen Auftrag, „die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens“ zu bewahren. Die weltweite Gemeinschaft stehe dabei vor erheblichen Herausforderungen. Unterschiedliche Auffassungen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen führten in Mitgliedskirchen zu Spannungen; soziale Medien könnten Gerüchte, Misstrauen und Polarisierung zusätzlich verstärken.

Die MWK verweist in ihrem Schreiben auf zwei Grundsätze, die ihre weltweite Zusammenarbeit prägen: die Eigenständigkeit der nationalen Mitgliedskirchen und zugleich die Verpflichtung, die Beziehungen untereinander zu stärken. Die 110 Mitgliedskirchen und Konferenzen seien in ihren kulturellen, historischen und theologischen Kontexten unterschiedlich und kämen auch bei der Auslegung der Bibel nicht in allen Fragen zu denselben Ergebnissen.

In Bezug auf gleichgeschlechtliche Beziehungen formuliert die MWK drei ausdrückliche Klarstellungen. Erstens gebe es unter den Mitgliedskirchen keinen gemeinsamen Konsens. Einige Kirchen überlassen die Entscheidung den örtlichen Gemeinden; darunter gebe es sowohl Gemeinden, die gleichgeschlechtliche Beziehungen bejahen, als auch solche, die dies ablehnen. Zweitens habe die Mennonitische Weltkonferenz selbst weder eine bejahende noch eine ablehnende Position beschlossen. Sie weist zugleich die Behauptung zurück, sie werde unter Druck gesetzt, eine bestimmte Agenda zu unterstützen. Drittens wolle die MWK bei unterschiedlichen Überzeugungen den Dialog suchen und gemeinsam nach Gottes Willen fragen.

Wie mit solchen „unterschiedlichen Überzeugungen“ innerhalb der weltweiten Gemeinschaft umgegangen werden kann, beschäftigt die MWK bereits seit Jahren. Ein entsprechender Vorschlag der Kommission für Glauben und Leben fand 2018 im General Council keine Zustimmung. Nun arbeiten die Kommission und das Exekutivkomitee an einem neuen Verfahren, das dem General Council 2028 vorgelegt werden soll. Für 2027 ist zudem eine interne Vereinbarung zu unterschiedlichen Überzeugungen sowie zu Kriterien für die Anstellung und Berufung von Leitungspersonen vorgesehen.

Das Schreiben wirbt dafür, Konflikte nicht durch Rückzug in Gruppen Gleichdenkender zu beantworten. Die weltweite täuferische Gemeinschaft solle vielmehr Unterschiede aushalten, miteinander im Gespräch bleiben und gemeinsam um Orientierung ringen. Als biblisches Vorbild nennt die MWK unter anderem das Apostelkonzil in Apostelgeschichte 15.

Das vollständige Schreiben wurde von MWK-Generalsekretär César García unterzeichnet und ist auf der Internetseite der Mennonitischen Weltkonferenz veröffentlicht.
https://mwc-cmm.org/en/stories/mwc-pastoral-letter-call-unity-spirit/

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