Abschied von der Konferenz Nordwestdeutscher Mennonitengemeinden

EMDEN – Mit einem festlichen Gottesdienst in der Johannes a Lasco Bibliothek hat sich Pastor Jan Lüken Schmid am Sonntag, 15. August, von seiner Emder Mennoniten-Gemeinde verabschiedet. Schmid wird künftig in Flensburg leben. Den Mennoniten bleibt er aber weiterhin verbunden. Er ist im Frühjahr zum Vorsitzenden der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden gewählt worden.

Der Ort der Entpflichtung von Schmid ist geschichtsträchtig. Denn in der Großen Kirche, in deren Ruinen die Bibliothek errichtet wurde, taufte der Täufer Melchior Hoffmann 1530 mehr als 300 Menschen. Seither gilt dieses Jahr als Gründungsdatum der Emder Mennoniten-Gemeinde.
So war es eine symbolisch aufgeladene Feier, für die Schmid eigens ein Lesepult aus der Mennonitenkirche in der Brückstraße mitgebracht hatte. Dieses Pult hatte ein Groothuser Schmied für den Pastor angefertigt. Das besondere: Der Ständer weist einen Eisenknoten auf, der auf die enge Bildung von Mennoniten und Reformierten verweist. Schmid war, bevor er zu den Mennoniten übertrat, reformierter Pastor. Auch die silbernen Kerzenhalter und die Bibel auf dem Abendmahlstisch wurden aus der Brückstraße geholt und in der Bibliothek aufgebaut.

Zwei üppige Sträuße mit verschiedenfarbigen, voll erblühten Hortensien zierten die Stätte, vor der die Predigt gehalten wurde. Der von Schmid erwählte Text war dem Alten Testament (Prediger 3,1 ff) entnommen. „Ein jegliches hat seine Zeit.“ Dieses Wort kontrastierte Schmid mit Lukas,21 – einem Endzeit-Szenario. In der sehr politischen Predigt stellte er die Bemühungen um die Fortschreibung des mennonitischen Friedensgebetes, das es seit zehn Jahren in Emden gibt, den kriegerischen Handlungen in Afghanistan gegenüber – und zwar ging er dabei der Frage nach, ob man mit Gebeten an dieser aggressiven Lage etwas ändern könne oder ob alles vergeblich sei. Sein Fazit: „Beten für den Frieden ist nicht das geringste, was man tun kann.“ Gleichwohl sprach er der Gemeinde Mut zu. Angesichts des Elends der Welt dürfe man nicht vergessen, die Welt zu genießen, „denn sie ist schön“.

Zu Gast an diesem späten Sonntagnachmittag waren Vertreter verschiedener Mennonitengemeinden aus Deutschland und Groningen. Das politische Emden wurde von Bürgermeisterin Andrea Risius vertreten. Ganz im Sinne Jan Lüken Schmids gab es ein Beiprogramm aus klassischer Musik, das Helga Koschnik-Schwoon (Klavier, Orgel), Frauke Fast (Violine) und Christoph Beyer (Violoncello) umsetzten. Friederike Schmid sang und spielte auf der Gitarre zwei kirchliche Lieder.

Schmid wurde von Martina Basso, die Geschäftsführerin der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden und des Mennonitischen Friedenszentrums Berlin ist, im Beisein der Kirchenräte seiner fünf Gemeinden und des Vorstandes der Konferenz der nordwestdeutschen Mennonitengemeinden von seinem Amt entpflichtet.

Die mögliche Nachfolgerin von Jan Lüken Schmid, Pastorin Sabrina Gröschel, hat sich am 28. August im Rahmen eines Gottesdienstes in der Emder Gemeinde vorgestellt. Bis zum 20. September haben die Mitglieder der Gemeinden nun die Möglichkeit zur Briefwahl.

(Mit Dank an Ina Wagner von der Emder Zeitung)

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