Fernando Enns: Entschlossener den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens gehen

DORTMUND – Der mennonitische Theologe Professor Dr. Fernando Enns hat auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund die Christinnen und Christen aller Konfessionen dazu aufgerufen, entschlossener den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens zu gehen, auf Gewalt verzichtend und den Finger in die Wunden der Ungerechtigkeit legend. „Ich vertraue darauf, dass unsere Füße längst auf diesen Pilgerweg gelenkt sind durch Jesus Christus“, betonte der Theologe in einem Gottesdienst „Der Friedenskraft vertrauen“, zu dem die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens in die Lutherkirche in Dortmund-Hörde eingeladen hatte.

Und auf diesem Weg sei es wichtig, kleine Geschichten von der Kraft der Gewaltfreiheit zu erzählen, die zusammengenommen die große Erzählung von der Gewalt überwindenden Liebe Gottes ausmachen würden, war Fernando Enns überzeugt. Und er verwies dabei auf die neue Kampagne „#NonviolenceWorks“, die Menschen, Initiativen, Organisationen einlädt, ihre Geschichten von der Kraft der Gewaltfreiheit zu erzählen.

„Es sind Geschichten, die geteilt werden können, nein müssen, weil sie von einer anderen Realität erzählen als die vermeintliche Realpolitik“, unterstrich der Hamburger Theologe. Und gerade die Geschichte der AGDF hätte in den vergangenen 50 Jahren viele solcher Geschichten ermöglicht und sei daher selbst eine Erzählung wert. „Nicht als bloße Institution, die von vielen Friedensstifterinnen und Friedensstiftern ein Dach und einen gemeinsamen Boden bietet, sondern als Sammelband all jener Geschichten, die die vielen Mitglieder und Menschen, die Zeugen der Kraft von der Gewaltfreiheit geworden sind, in den vergangenen 50 Jahren miteinander auf dem Weg erlebt und geteilt haben“, so Enns.

Dabei äußerte der mennonitische Theologe Verständnis dafür, wenn das Vertrauen in einen solchen Weg auch mal fehle. „Ja, auch ich zweifele manchmal, wenn ich mir nicht erlaube, die Augen zu verschließen vor den großen Gewalten, mit denen wir es zu tun haben und von denen wir ein Teil sind“, bekannte er angesichts der nach wie vor andauernden Waffenexporte, der wieder ansteigenden nuklearen Rüstung oder der Auswirkungen der Wirtschaftspolitik auf die Länder des Südens. Und er machte dabei deutlich: „Ich bin so dankbar für Fridays for Future und frage mich, warum die Kirchen dieser Welt nicht eine solche Kampagne zustande bringen.“

Denn trotz aller Bedenken gelte es, den Weg der Gewaltfreiheit weiterzugehen: „Ja, ich will an die Kraft der Gewaltfreiheit glauben, aber ich zweifle manchmal, weil die Mächte und Gewalten so gewaltig sind, weil ich erkenne, wie ich verwoben bin in diese Gewalten und weil mein Vertrauen in die Kraft der Gewaltfreiheit nicht ausreichen will“, meinte der Theologe in seiner Predigt. Doch dann suche er wieder in den alten Geschichten der Bibel die Urgeschichte von der Kraft der Gewaltfreiheit. „Und so fasse ich wieder Tritt auf dem Weg der Gewaltfreiheit“, machte Enns den Gottesdienstbesuchern Mut.