Vor 500 Jahren kam es in Augsburg zu den ersten Taufen Erwachsener. Die Täuferbewegung, im Jahr zuvor in Zürich gestartet, erreichte 1526 die Freie Reichsstadt und machte als dritte Reformationspartei von sich reden. – Seit 100 Jahren gibt es die heutige Augsburger Mennonitengemeinde. 1926 verlegte sie ihren Versammlungsort von Donauwörth in die Stadt am Lech. Dieses doppelte Jubiläum feiern Mennnonitengemeinde und das Erinnerungsprojekt „Die andere Reformation“ vom 4. bis 6. Juni 2026 mit einem dreitägigen Jubiläumsprogramm.
Im Festgottesdienst zu Beginn predigt Jule Lukasik (Ingolstadt), Studentin am baptistischen Theologischen Seminar Elstal. Anschließend wird eine Ausstellung eröffnet und die Nachbildung einer historischen Druckerpresse in Gang gesetzt. Es gibt Stadtführungen auf täuferischen Spuren, einen Abend „Lieder von damals und heute“, gestaltet von Jochen Riemer und Wolfgang Krauß. Zwei Podiumsgespräche drehen sich um die Themen „500 Jahre – wie weiter?“ und „Taufe: Entscheidung für heute und morgen“. Auch Clown Benji Wiebe trägt zum Programm bei.
Im Abschlussgottesdienst predigt Kirchenhistoriker Dr. Johannes Hartlapp von der Theologischen Hochschule der Adventisten in Friedensau. Auch Adventisten verstehen sich als täuferische Friedenskirche, ihren jungen Männern raten sie zur Kriegsdienstverweigerung. Zum Doppeljubiläum sind die Mennoniten zu Gast in der Augsburger Adventgemeinde.
Programminfos und Anmeldung unter https://www.mennoniten.de/augsburg2026/
Zur Geschichte
Vor 500 Jahren war Augsburg kurze Zeit eine Hauptstadt der Täuferbewegung. Zwischen 1526 und 1528 sollen sich bis zu 1000 Menschen zu den „Gartengeschwistern“ gehalten haben. So wurden sie genannt, weil sie sich mangels eigener Kirchengebäude im Sommer in Gärten versammelten. Anders als reformierte und lutherische Reformation waren sie nie vom Stadtrat anerkannt. Zunächst halbwegs toleriert, wurden sie bald kriminalisiert, verfolgt und schließlich gewaltsam vertrieben. Den Anfang vom Ende bedeutete ein überregionales Treffen im August 1527, später als „Märtyrersynode“ bezeichnet, weil viele der Beteiligten nach der Abreise gefasst und hingerichtet wurden. Den Endpunkt brachte die von der Stadtwache gewaltsam beendete Osterversammlung 1528 im Haus der Susanna Daucher. Der Versammlungsleiter Hans Leupold wurde hingerichtet, andere erhielten Körperstrafen. – Die täuferischen Überzeugungen und ihre Lebensweise schienen dem Stadtrat unvereinbar mit dem Zusammenhalt der Stadtgesellschaft. Eine von obrigkeitlichem Einfluss freie Gemeinde, radikale Nachfolge Jesu, Verweigerung der Kindertaufe und des Waffendienstes erschienen als Gefahr.
Nach der Vertreibung 1528 dauerte es 398 Jahre bis Nachfahren der Schweizer Täufer aus Baden und Pfalz begannen, sich als Mennonitengemeinde in Augsburg zu versammeln. So verbindet sich 2026 die Erinnerung an 500 Jahre Täuferbewegung mit 100 Jahren Gemeindegeschichte. Nachdem es lange Zeit nur Erinnerung war, entstand nach dem 2. Weltkrieg neues Interesse am täuferischen Friedenszeugnis. Heute sieht sich die Gemeinde herausgefordert, als Friedensgemeinde in der Friedensstadt sichtbar zu werden.
Wolfgang Krauß
