Eine Rezension zur Online-Ausstellung des Vereins „500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“
Wie oft war ich schon im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg, ohne etwas über die Baptistin Albertine Assor zu wissen. Und das Recht auf Wehrdienstverweigerung, auf das ich mich als junger Mann berufen habe, ist gegen den Willen von mennonitischen Abgeordneten 1848 in die damalige Verfassung aufgenommen worden. Julius Köbner, ein zum Baptismus konvertierter Jude, hat bereits Mitte des 19. Jahrhunderts auch für Muslime das Recht auf Religionsfreiheit gefordert.
Solche und weitere Erkenntnisse bekam ich bei der Durchsicht dieser neuen, im Täufer-Gedenkjahr erstellten Online-Ausstellung. Äußerlich ist die Ausstellung klar aufgebaut: eine Überschrift, ein Bild, drei Zeilen Erklärung und dann der Button „mehr erfahren“. Will man mehr wissen, dann öffnet sich eine weitere Online-Seite und es erscheint ein Text, den man in der Regel in zwei bis drei Minuten durchgelesen hat. Oft wird dieser Text durch Zitate unterlegt, die zusätzlich als Audio abrufbar sind. Manches musikalisch unterlegte Video ist ebenfalls zu sehen.
Angeregt vom 500 Jahre Täufergedenken hat Ulrike Arnold eine große Vielfalt von historischen Einblicken zusammengestellt. Die Beiträge reichen von der Geschichte bis in die Gegenwart, von der ersten bekannten Taufe auf das Bekenntnis in der Reformationszeit am 21. Januar 1525 bis zum Täufergedenken durch die Mennonitische Weltkonferenz in Zürich am 29. Mai 2025. Dabei geht es zwar um mennonitische Akzente, doch man spürt den gemeinsamen Weg, den Mennoniten und Baptisten in den letzten fünf Jahren bis hin zum Täufergedenken gegangen sind, denn immer wieder tauchen Themen, Bilder und Informationen aus dem Baptismus auf. Auch ein Beitrag über die Hutterer ist dabei. Ihr ansprechendes Layout verdankt die Online-Ausstellung Matthias Bartel, Hamburg.
Wer systematische Strenge oder lexikalische Vollständigkeit erwartet, wird aus zwei Gründen unruhig bleiben: Zum einen ist dies gar nicht gewünscht, denn es geht um historische Fundstücke, wertvolle Kleinode und Impulse aus der Geschichte für unseren Alltag. Und zum anderen ist diese Online-Ausstellung noch im Aufbau begriffen. Wie in eine Schale mit Perlen werden weitere Texte dazukommen. Wertvolles auf der Wanderung durch die Geschichte wird gesammelt und präsentiert. Dabei lädt die Ausstellung auch dazu ein, über eigene Erinnerungen und Gegenstände von Bedeutung nachzudenken, wie beispielsweise die Weitergabe eines Hochzeitsrings. So soll Geschichte lebendig gemacht werden bzw. lebendig bleiben und immer wieder Anschluss finden an die Deutung unserer Gegenwart. Wie Kalenderblätter mit einzelnen in sich abgeschlossenen Impulsen oder auch als Anregung für Gottesdienste oder Gemeindebriefe können diese bis jetzt bereits über 20 gesammelten Beiträge Verwendung finden.
Ich wünsche der Online-Ausstellung ein reges „Aufrufen“ und „Aufhorchen“. Dazu ist noch nicht einmal ein feststehender Computer nötig, denn auch auf dem Weg zur Arbeit in öffentlichen Verkehrsmitteln kann sie gut vom Mobiltelefon abgerufen werden und so zu einem historischen Fundstück für den Tag werden: https://taeufer-ausstellung.de .
Bernhard Thiessen
