Laut einem Bericht im nordamerikanischen Magazin Anabaptist World wird die äthiopische Meserete Kristos Church (MKC) die für Januar 2028 geplante Vollversammlung der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) nicht wie vorgesehen ausrichten. Damit reagiert die MKC auf erhebliche innerkirchliche Spannungen über Kontakte zu mennonitischen Kirchen in Nordamerika, die gleichgeschlechtliche Ehe befürworten.
Nach Angaben des Magazins bestätigte MWK-Generalsekretär César García am 26. November, dass die MKC ihre Einladung an die weltweite täuferische Gemeinschaft zurückgezogen habe. García wird mit den Worten zitiert, „die Kirche Äthiopiens betrachtet es aufgrund des inneren Konflikts nicht mehr als Segen, die Versammlung 2028 auszurichten“. MWK respektiere diese Entscheidung und wolle die äthiopische Kirche in der aktuellen Lage unterstützen.
Die Vollversammlung – die 18. in der 100-jährigen Geschichte der MWK – war für den 11. bis 15. Januar 2028 geplant. Noch im Mai hatten MKC-Delegierte bei MWK-Gremiensitzungen in Deutschland offiziell zur Teilnahme eingeladen.
Online-Konflikt über Kontakte zu „progressiven“ Kirchen
Anabaptist World berichtet, in den sozialen Medien in Äthiopien habe es in den vergangenen Wochen heftige Debatten gegeben. Hintergrund sei eine Fundraising-Reise von MKC-Leitenden in Nordamerika gewesen, bei der unter anderem Begegnungen mit Mennonite Church USA (MC USA) stattfanden. In MC USA gibt es Gemeinden, die gleichgeschlechtliche Ehen bejahen; deren Delegiertenversammlung hatte 2022 eine LGBTQ-affirmative Resolution verabschiedet.
In einer Stellungnahme des MKC-Exekutivkomitees vom 23. November heißt es, die Verbindung mit einer Konferenz, „die Gemeinden umfasst, die Homosexualität unterstützen“, widerspreche den Kernüberzeugungen der Kirche. Nach Angaben des Magazins handelt es sich um eine noch nicht offiziell bestätigte englische Übersetzung dieser Erklärung. Mit mehr als 514.000 getauften Mitgliedern gilt die MKC als größte mennonitische Kirche weltweit.
Eine mit der Situation vertraute Quelle aus Äthiopien wird zusätzlich mit der Einschätzung zitiert, in sozialen Netzwerken sei behauptet worden, „die homosexuellen Leute kommen 2028, um Homosexualität über die MWK zu verbreiten“. Dadurch habe sich der Druck auf die MKC erheblich erhöht.
García erklärte gegenüber Anabaptist World, nach der Nordamerika-Reise hätten MKC-Leitende bei ihrer Rückkehr „ein großes Problem“ vorgefunden. In Äthiopien seien gleichgeschlechtliche Beziehungen sowohl religiös als auch staatlich verboten. Für kirchliche Verantwortliche – Pastoren und Pastorinnen sowie weitere Mitarbeitende – entstünden dadurch Risiken, wenn ihnen Unterstützung illegaler Praktiken nachgesagt werde. Die Einheit der Kirche sei gefährdet.
MKC beendet theologisches Ausbildungsprogramm mit AMBS
Wie Anabaptist World weiter berichtet, hat die MKC auch das gemeinsame Masterprogramm mit dem Anabaptist Mennonite Biblical Seminary (AMBS) beendet. AMBS bestätigte diese Entscheidung am 24. November.
AMBS-Präsident David Boshart wird mit der Aussage zitiert, in den vergangenen zwei Monaten habe sich in sozialen Medien „eine Welle von Fehlinformationen“ verbreitet, die die Partnerschaft zwischen der MKC-Seminarsausbildung und AMBS unter Druck gesetzt habe. MKC-Leitende hätten AMBS „mit großem Bedauern“ informiert, dass das Programm dauerhaft eingestellt werde – nicht wegen mangelnder Wertschätzung, sondern wegen der Risiken für Verantwortliche und Studierende sowie der Gefährdung der kirchlichen Einheit.
MWK betont Einheit trotz theologischer Unterschiede
Laut Anabaptist World hebt García hervor, dass die MWK selbst keine Position zur gleichgeschlechtlichen Ehe vertritt. Von den 110 Mitgliedskirchen weltweit seien lediglich vier – darunter MC USA, Mennonite Church Canada sowie je eine Konferenz in den Niederlanden und in Deutschland – in dieser Frage „progressiver“. Auch innerhalb dieser Kirchen gebe es unterschiedliche Einschätzungen; Gemeinden hätten Freiraum, eigene Entscheidungen zu treffen.
García habe gegenüber der MKC betont, dass eine Vollversammlung ein „Segen“ für die gastgebende Kirche sein müsse. Wenn dies nicht gegeben sei, sei es angemessen, die Einladung zurückzuziehen. Die Mitgliedschaft der MKC in der MWK sei nach seinen Angaben nicht akut gefährdet, doch sei weitere Klärung erforderlich.
Vorangegangene Personalentscheidung in Nordamerika
Der Bericht erinnert daran, dass die MWK wenige Tage zuvor darauf verzichtet hatte, Stanley Green, Konferenzminister der Pacific Southwest Conference der MC USA, als regionalen MWK-Vertreter für Nordamerika zu ernennen. Drei US-amerikanische mennonitische Gemeindebünde hatten Bedenken gegen die Besetzung dieser Position mit einer Person aus MC USA geäußert. Nach Angaben Garcías entschied sich die MWK aus Gründen der theologischen Ausgewogenheit, die Stelle mit jemandem aus einer der anderen nordamerikanischen Mitgliedskirchen zu besetzen.
Der Bericht erinnert daran, dass die MWK wenige Tage zuvor darauf verzichtet hatte, Stanley Green, Konferenzminister der Pacific Southwest Conference der MC USA, als regionalen MWK-Vertreter für Nordamerika zu ernennen. Drei US-amerikanische mennonitische Gemeindebünde hatten Bedenken gegen die Besetzung dieser Position mit einer Person aus MC USA geäußert. Nach Angaben Garcías entschied sich die MWK aus Gründen der theologischen Ausgewogenheit, die Stelle mit jemandem aus einer der anderen nordamerikanischen Mitgliedskirchen zu besetzen.
Quelle: https://anabaptistworld.org/ethiopians-cancel-hosting-2028-world-assembly-mwc-leader-says/
