Täufer und Mennoniten beim Katholikentag in Münster

Katholikentag Münster 2018 „Suche Frieden“, 9. – 13.5.2018

Täufer und Mennoniten beim Katholikentag, das ist nicht selbstverständlich. Und in Münster schon gar nicht! Oder? Seit dem Dialog der Mennonitischen Weltkonferenz mit dem Vatikan 1998-2003 vielleicht doch. Und unter dem Motto „Suche Frieden“ allemal.
In Münster geht es – anders als anderswo – ja nicht nur um die Täuferverfolgung durch protestantische oder katholische Obrigkeiten und deren kirchliche Legitimation. Hier geht es auch um die Gewaltherrschaft der Täufer um Jan Mattis und Jan van Leyden und ihren komplexen Kontext.

Zwar hatte sich schon Menno Simons 1536 und dann sein Leben lang gegen die gewaltverhaftete Theologie und Praxis der Münsterschen Täufer ausgesprochen. Aber auch für uns heutige Mennoniten ist „Münster“ noch aktuell, ja für viele ein wunder Punkt. Ist es doch immer noch die Episode der Täufergeschichte, die einer breiten Öffentlichkeit am ehesten bekannt ist. Und die uns zur Distanzierung zu zwingen scheint.

Ökumenische Vorbereitungsgruppe
Eingeladen zu einer ökumenischen Vorbereitungsgruppe machte ich mich also letztes Jahr immer wieder auf den weiten Weg von Augsburg oder Heidelberg nach Münster. Von Anfang an war klar, dass die Täuferherrschaft in Münster 1534/35 zur Sprache kommen solle.
Ein Podium wird nun eine historische Einführung geben und der Frage nachgehen, wie angesichts dieses historischen Traumas Heilung der Einnerung geschehen kann. – Im Gebet gibt es einen Klageteil, der auch die problematischen Erscheinungen der Täuferherrschaft zur Sprache und vor Gott bringt. – Zudem verantworte ich eine Veranstaltung zum Thema „Taufe“ und es gibt weitere Veranstaltungen mit täuferischer Beteiligung.

Gespräch und Gebet unter den Täuferkäfigen
Wohl erstmals seit dem 16. Jahrhundert beten nun Katholiken, Lutheraner und Mennoniten am Ort des Geschehens in St. Lamberti. Am Lambertikirchturm hängen immer noch die Käfige, in welche die hingerichteten Täuferführer damals zur Abschreckung plaziert wurden.
Die Liturgie schöpft aus Dialogdokumenten der vergangenen Jahre und fokussiert sie auf das Geschehen in Münster. – Auch im „Zentralen Ökumenischen Gottesdienst“ des Katholikentages wird das Täuferthema erwähnt. Dies geschieht u.a. auf einem von mehreren Bannern, die „Orte des Friedens und des Unfriedens“ in Münster nennen.

Internationale Beteiligung
Ich freue mich, dass die mennonitische Theologin Andrea Lange an allen drei Veranstaltungen mitwirkt, sie war Delegierte beim Dialog mit dem Vatikan. Mit Ralf Klötzer und Hubertus Lutterbach sind zwei renommierte Fachhistoriker dabei. Mit Holger Bartsch wird ein (selbst)kritischer lutherischer Pfarrer mit auf dem Podium sitzen.
Beim Mittagsgebet nehmen Jörg Hagemann, katholischer Stadtdechant, und Ulf Schlien, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Münster, teil. Von mennonitischer Seite sind es neben Andrea Lange, Jacob Schiere aus den Niederlanden und Keith W. Blank aus Lancaster/USA.
Zwar findet zeitgleich mit dem Katholikentag die europäische mennonitische Konferenz (MERK) in Montbeliard/Frankreich statt, ich hoffe, dass dennoch viele Mennoniten nach Münster kommen und die Gelegenheit zu Information und Gespräch, zur geistlichen Besinnung und zum Gebet nutzen.

Wolfgang Krauß

 

Veranstaltungen mit täuferischer Mitwirkung

Do 10.5.18, 16.30-18 Uhr – Glaubensgeschwister: fremd – nah – bereichernd!
Konfessionen überkreuz vorgestellt
Prof. Dr. Angela Berlis, alt-kath. Theologin, Bern/Schweiz; Bischof Anba Damian, koptisch-orth. Theologe, Höxter; Corinna Schmidt, mennonitische Theologin, Hamburg.
Gesamtschule Münster Mitte, Neubau, 1. OG, Raum 1.15, Jüdefelder Str. 10

Fr 11.5.18, 11 – 12.30, Podium, Bezirksregierung, EG, Saal 1, Domplatz 1-3
Gespräch unter den Täuferkäfigen,
Heilung der Erinnerung angesichts eines historischen Traumas
Moderation: Wolfgang Krauß, Augsburg; Kurzreferat: Dr. Ralf Klötzer, Historiker, Münster
Podium: Holger Bartsch, ev. luth. Jugendpastor, Chemnitz; Andrea Lange, mennonitische Theologin, Mainz; Professor Dr. Dr. Hubertus Lutterbach, katholischer Theologe und Historiker

Fr 11.5.18, 13 – 13.30, Mittagsgebet, Lambertikirche – Umkehr und Versöhnung unter den Täuferkäfigen
Heilung der Erinnerung angesichts eines historischen Traumas
Keith W. Blank, Mennonit, Lancaster/USA; Jörg Hagemann, Stadtdechant Münster; Andrea Lange, mennonitische Theologin, Mainz; Jacob Schiere, Mennonit, Drachten/Niederlande; Ulf Schlien, Superintendent, Evangelischer Kirchenkreis Münster.

Fr 11.5.18, 14 -15.30, Podium, Hörsaalgebäude der WWU, 1. OG, H4, Schlossplatz 46 – Zukunft der Taufe – Zukunft der Kirche?
Volkskirchliches Sakrament oder Zeichen der Entscheidung?
Tauferfahrungen in Wort und Bild, Theologie und Gesellschaft
Moderation: Wolfgang Krauß, Augsburg; Dr. Gabriele Lachner, Vechta
Podium: Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Erfurt; Andrea Lange, mennonit. Theologin, Mainz.

Fr 11.5.18, 18-19 Uhr, Dom St. Paulus – Zentraler ökumenischer Gottesdienst: Gott behütet alle seine Glieder, Ps 34,21
Mit Orten des Friedens und Unfriedens in Münster (Lambertikirche)
Fr 11.5.18, 16.30-18 Uhr – Ökumene: Was ich schon immer wissen wollte
Experten beantworten Ihre Fragen
Corinna Schmidt, Leiterin des Ökumenischen Forums HafenCity, mennonitisch, Hamburg
Gesamtschule Münster Mitte, Neubau, 2. OG, Raum 2.02, Jüdefelder Str. 10

Sa 12.5.18, 11-12.30 – Ökumene: Was ich schon immer wissen wollte
Experten beantworten Ihre Fragen
Prof. Dr. Andrea Strübind, baptistische Theologin, Oldenburg
Gesamtschule Münster Mitte, Neubau, 2. OG, Raum 2.02, Jüdefelder Str. 10

Mittagsgebet in St. Lamberti und Zentraler Ökumenischer Gottesdienst im Dom sind frei zugänglich.
Für die Podien braucht es Dauerkarte oder Tageskarte.

Info & Anmeldung:
www.katholikentag.de