Gebetstag für den Frieden: Anregungen aus Afrika

oerkÖRK – Der Internationale Gebetstag für den Frieden am 21. September legt den Schwerpunkt dieses Jahr auf das Engagement afrikanischer Kirchen für den Frieden in und zwischen unterschiedlichen Gemeinschaften. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) lädt Christen und Kirchen dazu ein, diesen Tag mit Gebeten und Gottesdiensten zu begehen und Friedensprojekten in Afrika besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Der ÖRK-Generalsekretär wird an diesem Tag mit leitenden Vertretern/innen afrikanischer Kirchen in Nairobi zusammenkommen und gemeinsam mit ihnen für den Frieden beten und Gottesdienst feiern.

Der Gebetstag für den Frieden, der am selben Tag wie der Internationale Tag des Friedens der Vereinten Nationen stattfindet, stellt eine Initiative der ÖRK-Dekade zur Überwindung von Gewalt dar. Im Rahmen des Abschlussjahres der Dekade liegt der Schwerpunkt 2010 auf Afrika.

Eines der vorgestellten afrikanischen Projekte ist ein “Friedensdorf”-Projekt in Uganda, das den Heilungsprozess in von Konflikt, Traumata und Leid heimgesuchten Gemeinschaften fördert.

Ökumenische Gruppen, denen junge Menschen, Frauen und Führungspersönlichkeiten aus verschiedenen Teilen des Landes angehören, kommen zu Friedenscamps in ausgewählten Dörfern zusammen und helfen mit, die Gemeinwesenentwicklung in diesen Dörfern zu stärken. Das Projekt wurde vom Gemeinsamen Christenrat von Uganda um die Rückkehr des Landes zu relativer Stabilität nach Jahrzehnten der Militärherrschaft und des Bürgerkrieges zu fördern.

Die Friedenscamps vermitteln Werte wie die Achtung von Vielfalt, anwaltschaftliche Arbeit und friedliche Konfliktbeilegung. Sie bieten Ugandern/innen aus unterschiedlichen ethnischen, Stammes- und religiösen Gruppierungen Raum zum Lernen und zur Auseinandersetzung und leisten damit einen Beitrag zu Konsensbildung, zur Förderung friedlicher Koexistenz und Stärkung bestehender Mechanismen zur Beilegung von Streitigkeiten.

Am Tag des Friedens wird auch zu Gebeten für andere Projekte eingeladen. Das Jugendprojekt der Presbyterianischen Kirche von Ghana für Friedensaufbau und Konfliktbeilegung stellt ein weiteres Beispiel dar. Es bildet jugendliche Gemeindeglieder dafür aus, andere in Strategien der Konfliktbeilegung und Friedensstiftung zu schulen. Ziel ist es, dass junge Menschen und Gemeindeführer/innen in Dörfern als Berater/innen bereit stehen, die beim Umgang mit Konflikten helfen und die Gemeinschaft zum Frieden ermutigen.

Ein anderes Beispiel ist die Menschenrechtsarbeit der Nordwest-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania. Seit 2002 hilft ein kleines Menschenrechtsbüro Gemeindegliedern und Bürgern/innen sich in ihren Gemeinschaften und vor Gericht gegen alle Arten von Gewalt zur Wehr zu setzen.

Die von diesem Büro geleistete Arbeit ermutigt Kirchenmitarbeiter/innen, auf lokaler Ebene gegen Gewalt vorzugehen, Konflikte zu lösen und sich auch in Fällen besonders grausamer Gewalt für die Menschenrechte einzusetzen. Die Arbeit “legt wahrhaft Zeugnis vom Evangelium der Liebe und Vergebung ab”, erklärte ein Mitglied des Teams.

Der diesjährige Internationale Gebetstag für den Frieden lädt auch zu Gebeten für Nichtregierungsorganisationen ein, die sich für den Frieden in Afrika engagieren. In Südafrika z.B. kämpft REACH (Rural Education, Awareness and Community Health – Ländliche Bildung, Aufklärung und Gesundheit in der Gemeinschaft) gegen sexuelle Belästigung, häusliche Gewalt und HIV/AIDS auf Farmen und in Ortschaften des Westkaps. REACH arbeitet in einer Reihe von Projekten mit Kirchen zusammen.

Zwei “Zuhör-Initiativen” in Afrika, die von On Earth Peace, einem Friedensprojekt der Kirche der Brüder in den Vereinigten Staaten, unterstützt und begleitet werden, erinnern schließlich daran, dass Friedensgebete und die Dekade zur Überwindung von Gewalt nicht an Grenzen halt machen.

Eine dieser Initiativen findet in Nordnigeria statt, wo es zum Ausbruch von Gewalt zwischen Christen und Muslimen gekommen ist, und die andere in einem Township von Pietermaritzburg. Der Internationale Gebetstag für den Frieden hilft mit seiner Unterstützung für diese Initiativen Glaubens- und Dorfgruppen, das “Zuhören” als wichtigen Schritt im Umgang mit Erinnerungen und Problemen nach Konflikten zu begreifen und zu praktizieren.

Der Internationale Gebetstag für den Frieden wurde 2004 im Rahmen einer Begegnung zwischen dem ÖRK-Generalsekretär und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen vorgeschlagen. Seither sind die Kirchen aufgerufen, für den Frieden zu beten, Nachtwachen und Gottesdienste abzuhalten und insbesondere für die Kirchen in der Region zu beten, die Jahresfokus der Dekade zur Überwindung von Gewalt ist.

Materialien und weitere Informationen unter gewaltueberwinden.org.