Katholisch-freikirchliches Symposion: Im Bibelverständnis gibt es Gemeinsamkeiten

PADERBORN – Im katholisch-freikirchlichen Dialog helfen Verallgemeinerungen über die Haltung zur Bibel nicht weiter, um strittige Fragen zu klären. Darin waren sich die Teilnehmer eines dritten katholisch-freikirchlichen Symposions im (katholischen) Johann-Möhler-Institut vom 22. bis 24. Februar in Paderborn einig. Das Treffen stand unter dem Motto „Die Heilige Schrift in Theologie und Leben der Kirche“. Erstmals waren auch die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden und der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden vertreten.

Die römisch-katholische Delegation wurde von Prof. Dr. Wolfgang Thönissen (Paderborn) geleitet, die freikirchliche vom früheren Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, Dr. Walter Klaiber (Frankfurt am Main). Eine solche Verallgemeinerung sei es etwa, wenn sich die „bibel-bewegten“ Freikirchen als „Kirche des Wortes“ präsentierten, während die katholische Seite als „Kirche der Sakramente“ charakterisiert werde. Es gebe grundlegende Gemeinsamkeiten, so dass die mitunter gebrauchte klischeehafte Entgegensetzung „Schrift“ gegen „Tradition“ nicht stimmig sei. Katholiken und Freikirchler seien sich einig, dass die Bibel die grundlegende und maßgebende „Bezeugungs- und Vermittlungsinstanz“ der Selbstoffenbarung Gottes sei. Sie habe eine Mitte, nämlich die gute Nachricht von Jesus Christus. Doch zwischen der Offenbarung und dem Offenbarungszeugnis, zwischen Jesus Christus und der Bibel, müsse unterschieden werden. Aufgabe der Kirche sei es, das Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen und zum Glauben an ihn einzuladen. Einig waren sich beide Seiten auch, dass die Kirche vom Hören auf die Schrift lebe. Dazu gehöre das Bemühen, die Bibel immer besser zu verstehen. Dabei müssten die Kirchengeschichte, die biblische Tradition und der Gebrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse mit einfließen. Tradition, Erfahrung und Vernunft dürften nicht ausgeblendet werden, um die Heilige Schrift zu erschließen und auszulegen.

Nicht einig waren sich die Teilnehmer des Symposions über den Stellenwert dieser Komponenten. In der katholischen Kirche hat die Tradition eine große Bedeutung, in manchen Freikirchen wird die individuelle Bibelerkenntnis höher bewertet als theologisch-wissenschaftliche Erkenntnisse. Trotz der Meinungsunterschiede waren sich beide Seiten einig, dass angesichts des wachsenden Rückgangs an geistlichem Grundwissen in der Bevölkerungen gemeinsame Anstrengungen unternommen werden müssen, um diesem Trend entgegen zu wirken.

Der freikirchliche Referent in der Ökumenischen Centrale, Dr. Klaus-Peter Voß (Frankfurt am Main), zog ein positives Fazit: „Diese Begegnungen entwickeln sich immer mehr zu einem beachtenswerten Mosaikstein im ökumenischen Dialog. Sie sind ein positiver Gegenbeweis für eine vielfach beklagte ökumenische Langeweile und Stagnation.“

In den Freikirchen stößt dieser Dialog auf immer größeres Interesse. Erstmals waren auch die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden und der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden vertreten. An zwei früheren Treffen 2002 und 2004 zu den Themen „Rechtfertigung“ und „Taufe und Glaube“ hatten bereits der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, die Evangelisch-methodistische Kirche, der Bund Freier evangelischer Gemeinden, die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten und die Herrnhuter Brüdergemeine teilgenommen. Bei einem vierten Treffen im Jahr 2008 soll das Thema „Kirche“ behandelt werden.

Kassel, 2. März 2006, Klaus Rösler