Ein breites Bündnis internationaler Kirchenorganisationen hat angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten zu einem sofortigen Waffenstillstand und zur Rückkehr zu diplomatischen Verhandlungen aufgerufen. Zu den Unterzeichnenden der gemeinsamen Erklärung gehört auch die Mennonitische Weltkonferenz.

Neben der Mennonitischen Weltkonferenz tragen unter anderem der Ökumenische Rat der Kirchen, der Lutherische Weltbund, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der Weltrat Methodistischer Kirchen, der Rat der Kirchen im Nahen Osten, die Christliche Konferenz von Asien sowie die kirchliche Hilfsorganisation ACT Alliance die Erklärung mit. Darin äußern die Organisationen ihre „tiefe Besorgnis“ über die humanitären und gesellschaftlichen Auswirkungen des sich ausweitenden Konflikts und über die Gefährdung von Frieden und Sicherheit in der Region und weltweit.

Auslöser der aktuellen Eskalation sind militärische Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran sowie die Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei am 28. Februar 2026. Die darauf folgenden Vergeltungsangriffe Irans haben zu einer militärischen Konfrontation geführt, deren Auswirkungen inzwischen mehrere Länder des Nahen Ostens und darüber hinaus betreffen.

Besondere Sorge äußern die Kirchen über die Situation der Zivilbevölkerung. Als Beispiel nennen sie Berichte über einen Raketenangriff auf eine Mädchenschule in der iranischen Stadt Minab, bei dem nach Angaben aus der Region bis zu 175 Schülerinnen und Mitarbeitende ums Leben gekommen sein sollen. Zudem gebe es zunehmend Hinweise auf schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht.

Die Organisationen betonen, dass alle Konfliktparteien verpflichtet seien, Zivilisten zu schützen und zivile Infrastruktur nicht anzugreifen. Das Leiden der Bevölkerung werde weiter zunehmen, je länger der Konflikt andauere.

Auch in anderen Ländern verschärft sich die Lage. Im Libanon habe sich die Situation zu einem umfassenden israelischen Angriff ausgeweitet, der mehrere Regionen einschließlich der Hauptstadt Beirut betreffe. Wohngebiete seien stark zerstört worden, Hunderttausende Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen. Auch der Irak sowie mehrere Golfstaaten seien von der regionalen Eskalation betroffen.

Die Kirchen warnen zudem vor neuen großen Fluchtbewegungen in einer Region, in der bereits viele Menschen vertrieben wurden. Gleichzeitig seien auch Kirchen und christliche Gemeinschaften im Nahen Osten von den Folgen des Krieges betroffen.

Die Erklärung kritisiert die militärischen Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels als völkerrechtswidrig und fordert eine sofortige Waffenruhe sowie die Wiederaufnahme politischer Gespräche über internationale und regionale Mechanismen.

Der Appell gründet nach Angaben der Organisationen sowohl im Völkerrecht als auch im christlichen Glauben. Krieg sei mit Gottes Willen für die Menschheit unvereinbar. Frieden sei eine moralische und geistliche Verpflichtung und könne nicht durch militärische Gewalt erreicht werden. Die Unterzeichnenden rufen Kirchen sowie Christinnen und Christen weltweit dazu auf, für Frieden im Nahen Osten und in allen Konfliktregionen zu beten.

Israelisch-palästinensische Friedensbewegung lehnt Angriffe auf Zivilisten ab

Auch die israelisch-palästinensische Friedensbewegung Combatants for Peace, ein Partner der Stiftung die schwelle, äußerte sich besorgt über die militärische Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran. Palästinensische und israelische Mitglieder der Bewegung erklärten, eine Ausweitung militärischer Gewalt werde weder Sicherheit noch Stabilität in der Region bringen.

Die Organisation verweist auf jüngste Gewalt in der Westbank, bei der zwei palästinensische Brüder im Dorf Qaryut von Siedlern erschossen wurden. Solche Vorfälle stünden im Zusammenhang mit einer dokumentierten Zunahme von Siedlergewalt und Vertreibungen. Zugleich seien auch israelische Zivilisten durch iranische Raketenangriffe auf Wohngebiete getötet und verletzt worden.

Combatants for Peace betont, dass Angriffe auf Zivilisten überall abzulehnen seien. Die Bewegung lehnt eine „Hierarchie der Trauer“ ab, die das Leid verschiedener Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufwiegt. Eine Ausweitung des Krieges werde die zugrunde liegenden politischen Probleme nicht lösen, sondern das Leiden der Menschen weiter verlängern.

Die Organisation fordert deshalb, Gewalt zu beenden und politische Strukturen zu überwinden, die zivile Bevölkerung gefährden – darunter Besatzung, Annexion und kollektive Bestrafung. Nur so könne langfristig ein gerechter Frieden entstehen.

One thought on “Kirchen fordern Waffenstillstand im Nahen Osten”
  1. Für Frieden im Nahen Osten und generell für Frieden einstehen. Auch die Waffenproduktionen müssen eingestellt werden. Es sind nicht die zivilen Menschen, die die Gewalt möchten, sondern unsere Staatsoberhäupter. Auch der Wehrdienst fordert junge Menschen, die ihr Leben leben möchten.
    Auch das letztlich Geschehen im Iran, wo eine Schule bombardiert wurde und junge Menschen sterben mussten. Was treibt diese Menschen um, die dafür Verantwortung übernehmen sollten und müssten.

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