Der Geburtstag der siamesischen Zwillinge Lea und Tabea jährt sich zum zweiten Mal

LEMGO – Es wird ein traurig-fröhlicher Geburtstag sein. Am 9. August wird Lea Block zwei Jahre alt. Fröhlich deshalb, weil Lea lebt. Traurig deshalb, weil ihre Schwester Tabea am 16. September 2004 gestorben ist. Gestorben an den Folgen der Operation, mit der die siamesischen Zwillinge Lea und Tabea getrennt werden sollten, um ihnen ein normaleres Leben zu ermöglichen. Ohne Operation hätten sie wohl keine Überlebenschancen gehabt, waren die behandelnden Mediziner überzeugt.

Lea und Tabea sind ein Medienereignis geworden. Die Eltern Nelly und Peter Block aus der Mennoniten-Brüdergemeinde Lemgo (BTG) haben das nicht gewollt. Aber sie hatten keine andere Chance. Es klingt schrecklich, aber siamesische Zwillinge kosten Geld, viel Geld. Das fängt bei den geringsten Ausstattungen wie einem besonderen Wickeltisch und Bett an, hört bei einem größeren Auto längst noch nicht auf. Das braucht man, um die Kinder allein schon zum Arzt zu transportieren.

Ganz erschreckend sind aber die Arztkosten – nicht die der normalen Behandlung, sondern die Kosten einer operativen Trennung. Deshalb hatten sich die Eltern schon sehr frühzeitig an den Journalisten Henning Röhl (ARD-Tagesthemen und ehemaligen Fernsehdirektor des MDR) gewandt. Ob der ihnen nicht helfen könne, den Pressekontakt zu halten. „Pressekontakt“ – das hieß natürlich auch Vermarktung der Geschichte gegen Geld. Henning Röhl konnte dafür das Nachrichten-Magazin Stern gewinnen und parallel dazu das von Günther Jauch moderierte Stern.TV.

Interessant: Erst nachdem Lea und Tabea zum Medienereignis geworden waren, erklärte sich die Krankenkasse bereit, auch die Kosten einer Operation in den USA zu übernehmen. Das war für die Eltern ungeheuer wichtig. Zuvor hatten sie sich ohne langes Zögern für das Leben der Kinder entschieden. Nachdem man bei den üblichen Ultraschall-Vorsorge-Untersuchungen erkannt hatte, dass die Zwillinge am Kopf zusammengewachsen waren, kam auch der Hinweis auf eine Indikation, eine Abtreibung sofort auf. Doch das war für Nelly und Peter Block gar kein Thema. Für sie ist Gott der Schöpfer allen Lebens. Er hat ihnen die Kinder anvertraut. Es sind ihre geliebten Kinder. Mit einer Abtreibung könnten sie niemals leben. Nelly Block: „Für mich ist eine Behinderung bei meinem Kind eine kleinere Zumutung als die seelische Belastung nach einer Abtreibung.“

Über eine Operation denken die Eltern allerdings intensiv nach und nehmen die Behinderung nicht gleichmütig hin. Sie wollen den Kindern ersparen, das Leben liegend aneinandergekettet zu verbringen. Dies wäre auch eine schwierig zu verkraftende Vorstellung.

Also suchen sie nach einem Spezialisten ihres Vertrauen. Den finden sie im US-amerikanischen Neurochirurgen Benjamin Carson. Carson hat eine bewegende Karriere-Geschichte hinter sich. 1951 geboren, wächst der Afro-Amerikaner in den Slums von Detroit auf. Als Scheidungskind treibt er sich auf der Straße herum, während die Mutter schwer für den Lebensunterhalt arbeitet. Mit 14 Jahren versucht er in einem Straßenkampf, einen anderen Jungen zu erstechen. Dies missglückt Gott sei Dank. Aber Carson ist so geschockt, daß er sich im Badezimmer der Familienwohnung einschließt um nachzudenken. Dann beginnt er in der Bibel zu lesen, verändert sein Leben. Heute fordert er alle Menschen auf, dass sie mit Gott in ihrem Leben rechnen sollen. Carson selbst jedenfalls macht das. Deshalb liest er weiterhin intensiv die Bibel, betet täglich. Mit 33 Jahren bereits Professor, gilt er heute als einer der renommiertesten Spezialisten gerade auch für schwierige Fälle wie siamesische Zwillinge.

In vielen Gesprächen tauschen Eltern, der behandelnde Kinderarzt Tilmann Polster und das Team um Benjamin Carson (letztendlich 17 Neurochirurgen, 4 plastische Chirurgen, 14 Anästhesisten, 42 Krankenschwestern 22 techn. Experten) alle medizinischen Informationen aus. Intensiv wird aber auch über ethische Dinge gesprochen – und Carson und die Eltern wissen darum, daß Gott ihnen auch in dieser schwierigen Situation nahe ist. Das jedenfalls können sie Stephanie Möller und Henning Röhl berichten, die soeben ein Buch über Lea und Tabea veröffentlicht haben.

Denn gerade den vielen Menschen, die mitgebetet, Geld gespendet und an Lea und Tabea gedacht haben, soll auf diesem Wege alles noch einmal ganz genau nahe gebracht werden. Auch, daß Tabea die Operation nicht überlebt hat. Sie verstarb nach unerwarteten Komplikationen am 16. September 2004 um 1.20 Uhr in der Nacht. Doch auch hier wissen sich die Eltern getragen von Gott – oder wie es ein Freund der Familie sagte: „Für Christen sind dunkle Wolken nur der Schatten von Gottes Flügeln.“

Alle Nachrichten über Lea und Tabea, sowie die Familie Block im Überblick

Tabea und Lea. So Gott will. Lea und Tabea. So Gott will
Stephanie Möller, Henning Röhl
128 Seiten, Brunnen Verlag Gießen 2005,
ISBN 3-7655-3867-1

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Tabea und Lea Tabea und Lea – die siamesischen Zwillinge aus Lemgo
Nelly Block, Constanze Nolting
Gebundene Ausgabe, mit Audio-CD, Hänssler Verlag 2005,
ISBN: 3-7751-4137-5

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