Täuferspuren in Ibersheim

IBERSHEIM – Ein Raunen ging durch das Publikum, als die Informationstafel zur Mennonitenkirche Ibersheim am Sonntag den 21. Mai in Worms-Ibersheim enthüllt wurde. War dieses Gebäude doch für die Geschichte des kleinen Vorortes von besonderer Bedeutung.

Wegen ihres täuferischen Glaubens Geflohene aus dem Kanton Bern in der Schweiz gründeten um 1661 die Ibersheimer Mennonitengemeinde. Das Taufen von Erwachsenen, die Verweigerung von Eid und Kriegsdienst sowie die freie Wahl der Prediger waren Gründe für die Verfolgung in ihrem Heimatland. Kirche und Staat sollten ihrer Meinung nach getrennt sein. Das war für die damalige Zeit und den herrschenden Adel Grund genug für die gnadenlose Verfolgung der Täufer.

Die Mennoniten als Nachfahren der Täufer konnten hier nur siedeln, da Ibersheim nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) zunächst völlig entvölkert war. Die Mennonitenkirche wurde 1836 am Mittelpunkt des Ortes erbaut. An derselben Stelle, auf dem Kirchplatz, stand bereits eine ältere Mennonitenkirche, die aus dem frühen 18. Jahrhundert stammte. 1836 wurde es durch die gesellschaftlichen Veränderungen möglich, die bis heute einzige Mennonitenkirche mit Glockenturm in Süddeutschland zu bauen. Die Kirche wird seit vielen Jahrzehnten auch von der evangelischen und der katholischen Gemeinde für Gottesdienste genutzt.

Die neue Informationstafel, deren Erstellung Florian Lang wesentlich koordiniert hat, ist eine von vielen, die im Rahmen eines Täuferspurenprojektes in den kommenden Jahren zur Schau gestellt werden. Das Projekt soll über die wechselhafte Geschichte der Täufer an vielen Orten in Rheinhessen und der Pfalz aufmerksam machen. Täuferspuren, Gebäude und Orte mit historischer Bedeutung auf dem Weg der Glaubensflüchtlinge sollen so nachvollziehbar sein. Im Kraichgau war das Projekt bereits erfolgreich. Astrid von Schlachta erinnerte als Geschäftsführerin des Mennonitischen Geschichtsvereins an die erfolgreiche Projektgestaltung in Baden-Württemberg.

Eine erste Reaktion auf das erste Schild in Rheinhessen gab es schon. So schenkte ein älteres Paar aus Chemnitz der Mennonitengemeinde in Ibersheim eine Puppe und eine Keramikfigur eines Paares in traditioneller mennonitischer Kleidung. Die beiden Gegenstände stammen aus einer Mennonitengemeinde in Ontario, Kanada.

Nach der Enthüllung, die Walter Ellenberger durchführte und an der 60 interessierte Zuschauer und Gemeindemitglieder teilnahmen, fand in der Mennonitenkirche in Ibersheim ein Täuferliederkonzert statt. Das unter der Leitung von Volker Gallé organisierte Konzert gehörte zur Reihe „Wunderhoeren“, die von historischem Lied- und Kulturgut handelt. Margit Zobetz freute sich als Ortsvorsteherin auch über diesen gelungenen Beitrag zum Dorfjubiläum. Die gesamte Veranstaltung fand anlässlich des 1.250-jährigen Jubiläums von Worms-Ibersheim statt.

Florian Lang

Foto: Christian Lang –  (v.l.) Volker Gallé, Florian Lang, Margit Zobetz, Walter Ellenberger, Astrid von Schlachta, Andreas Kohrn