‚Gläubige für den Frieden‘ und ‚Church and Peace‘ gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in Südosteuropa

SCHÖFFENGRUND – ‚Re:Aktion – Gläubige für den Frieden in Zeiten von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit‘ war das Thema einer Konferenz, die Anfang April in der Nähe von Zagreb/Kroatien mit mehr als 70 Teilnehmenden aus Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien sowie Gästen aus Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und den USA stattfand. Muslime/a, Christ*innen, unter ihnen Imame und serbisch-orthodoxe Priester, Ordensleute und Pastor*innen verschiedener Denominationen, nahmen daran teil. Mitveranstalter der Konferenz war das europäische Netzwerk ‚Church and Peace‘ und das Church and Peace-Mitglied RAND aus Zagreb. Die Finanzierung wurde unterstützt durch die Evangelische Landeskirche in Baden, die Bremer Stiftung ‚die schwelle‘ und Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, sowie die Ökumenische Fraueninitiative in Omis, Kroatien.

Das Organisationsteam bestand aus Christ*innen und Muslim*innen aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien, die seit 2006 unter der Überschrift ‚Indem wir Frieden bauen, loben wir Gott‘ unermüdlich für den Abbau von religiösen, ethnischen und politischen Spannungen arbeiten. Mehr als 200 Menschen haben seit 2013 die Erklärung der ‚Gläubigen für den Frieden‘ unterzeichnet, um das persönliche Glaubensleben und den Einsatz für die Praxis der Gewaltfreiheit sowie Methoden der sozialen Aktionen miteinander zu verbinden und auf diese Weise das friedensfördernde Potential der verschiedenen Glaubensrichtungen zu stärken.

In den Vorträgen und Diskussionen zu sozialen, politischen und religiösen Bedingungen und Mythen, die zu wachsendem Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit führen, waren sich die Teilnehmenden einig, „dass jede Rechtfertigung von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, die sich auf Glauben oder religiöse Tradition beruft, zutiefst falsch und inakzeptabel ist“, wie es in der Abschlusserklärung heißt. Der intensive Austausch über die beeindruckende Vielfalt der Friedensarbeit in den jeweiligen Ländern sowie die Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Hintergründe, die dennoch das Vertrauen auf Gott und ihr Bekenntnis zum Frieden vereint, haben die Anwesenden gestärkt.

Prof. Nerzuk Curak ermutigte die Teilnehmenden dazu, ihr Friedensengagement in einem größeren geschichtlichen Rahmen zu sehen: „Die Samen, die wir heute mit unseren scheinbar noch so kleinen Beiträgen zum Frieden in den Boden säen, werden in der Zukunft als Teil des kollektiven Gedächtnisses der Gesellschaft aufgehen.“

Nach Konferenzen in Krk/Kroatien 2006, Blagaj/Bosnien und Herzegowina 2008 und Andrevlje/ Serbien 2010 war dies die vierte Konferenz in der Region, mit der die ‚Gläubigen für den Frieden‘ Menschen der abrahamitischen Traditionen in Südost-Europa/Westbalkan ermächtigen wollen, gewaltfrei eine friedlichere und gerechte Gesellschaft aufzubauen.

„Wir haben nicht gewusst, dass das Thema so aktuell sein wird, als wir es für die Konferenz gewählt haben. Leider ist die Situation noch angespannter als vor einem Jahr“, berichtet Ana Raffai, katholische Theologin aus Kroatien und eine der Gründer*innen der ‚Gläubigen für den Frieden‘.

Und sie stellt fest: „Das Medienecho auf die Konferenz war groß. Eine Zeitung titelte ‚Es gibt gläubige Christen und Muslime, die Erklärungen gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit schreiben‘. Eine andere: ‚Gläubige können nicht Faschisten werden‘. Das ist bei uns die Nachricht!“