Mennonitische Kirche in Vietnam abgerissen und Pastoren inhaftiert

HO CHI MINH STADT – Das Wohnhaus des vietnamesischen Bürgerrechtlers und Pastors Nguyen Hong Quang in Ho Chi Minh-Stadt (Saigon), das auch als mennonitisches Gotteshaus diente, wurde am 14 Dezember 2010 dem Erdboden gleich gemacht. Pastor Quang und Pastor Pham Ngoc Thach wurden verhaftet, zwanzig Bibelschüler aus der Stadt gewiesen, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die Enteignung eines weiteren mennonitischen Gebetshauses im gleichen Distrikt steht unmittelbar bevor.

Bereits am Vortag wurden auf behördliche Anweisung Bagger und Kranwagen vor dem Haus mit der Adresse „C5/1H Tran Nao“ im zweiten Distrikt der Stadt aufgestellt. Am frühen Morgen des 14. Dezember umstellten mehrere Hundert Beamte das Haus und trieben die Bewohner aus dem Gebäude. Pastor Nguyen Hong Quang und Pastor Pham Ngoc Thach wurden festgenommen und abgeführt, weil sie gegen die Zerstörung des Hauses, das auch als Gebetshaus für ihre Gemeinde diente, protestierten. Rund zwanzig Bibelschüler, darunter einige Christen aus ethnischen Minderheiten aus dem Bergland, wurden mit Polizeiwagen abtransportiert und später zwangsweise zu ihren Angehörigen zurückgeschickt.

Die IGFM ist besorgt über die Zukunft dieser Hausgemeinde, die jetzt ohne einen Treffpunkt auskommen muss. Vu Quoc Dung, Asienreferent der IGFM erklärte dazu: „Es war eine blitzschnelle Abrissaktion, die in knapp ein anderthalb Stunden vollzogen worden war. Seitdem ist diese mennonitische Kirche in Saigon nur noch Geschichte. Einst war sie eine der ersten Hauskirchen Saigons und Treffpunkt von Protestanten aus dem In- und Ausland, daher ein Dorn im Auge der vietnamesischen Staatssicherheit. Bereits am 19. Juli 2005 war das Haus auf Anordnung vietnamesischer Behörden schwer beschädigt und das Taufbecken zerstört worden.“  (mennonews.de berichtete)

Die Regierung begründet die Enteignung mit der Urbanisierung der ehemaligen südvietnamesischen Hauptstadt. Bei der Analyse von Fotos stellte die IGFM fest, dass die mennonitische Hauskirche als eine der Ersten im Viertel dem Abriss zum Opfer fiel.

Seit Monaten betreibt die Regierung eine Hetzkampagne gegen Pastor Quang und seine Hausgemeinde. Quang sei ein „selbsternannter Pastor“ und seine Kirche nicht anerkannt, so die behördlichen Sprachorgane. Als Gegenbeispiel bediente man sich des Verweises auf den staatsnahen mennonitischen Pastor Trung, dessen Kirchengemeinde vor einigen Jahren von der Regierung eine Zulassung erteilt bekam.

Lange Leidensgeschichte

Bereits im März 2004 kamen Pastor Quang, Pastor Thach und vier weitere Vorstandsmitglieder der Gemeinde wegen angeblichen „Widerstands gegen die Ordnungsgewalt“ in Haft. Pastor Quang wurde zu drei Jahren Haft, Pastor Thach zu zwei Jahren Haft und die vier anderen Christen zu neun bis zwölf Monaten Haft verurteilt. In der Haft wurden sie sehr gefoltert, besonders die Lehrerin Le Thi Hong Lien, die dadurch dauerhafte psychische Schäden erlitt. Im Juni 2005 berichtete die Mennonitische Kirche bei einer Anhörung im US Kongress, dass im Zeitraum von Juni 2004 bis Mai 2005 gegen ihre Mitglieder 77 Mal Zielobjekt von Übergriffen waren.

Quelle: IGFM