Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden

Exekutivkomitee2010ADDIS ABEBA – „Wenn es die Mennonitische Weltkonferenz nicht geben würde, müsste man sie erfinden“, dies sagte Rainer Burkart in Addis Abeba. In der Hauptstadt Äthiopiens haben sich auf Einladung der Meserete Kristos Kirche die Gremien der MWK im August 2010 versammelt. Neben den Berichten und Beratungen zu allen internationalen Gremien der MWK stand auch die Nachfolge von Generalsekretär Larry Miller und der Ort der nächsten Vollversammlung der MWK auf der Agenda des Treffens.

Neuer Generalsekretär gesucht

Ein Suchkomitee unter der Leitung des MWK-Präsidenten Danisa Ndlovu sucht seit Frühjahr 2010 einen Nachfolger. Im Mai 2012, nach der MERK findet auf dem Bienenberg die nächste Versammlung des General Councils (Parlament) der MWK statt. Da treffen sich alle Delegierten der Mitgliedkonferenzen der MWK aus aller Welt, über 120 Delegierte und Mitglieder der Fachkommissionen. Bei diesem Treffen will Larry Miller nach 20 Jahren die Leitung des Generalsekretariates der MWK an seinen Nachfolger übergeben. Dann wird das Hauptbüro der MWK von Straßburg wegziehen, wahrscheinlich an den Wohnsitz des neuen Generalsekretärs. Anschließend wird er der 61-jährige Miller der MWK noch für besondere Aufgaben zur Verfügung stehen. Bei der Bilanz der Arbeiten des letzten Jahrs vor dem Vorstand der MWK zog der Generalsekretär eine positive Bilanz.

Vom Kongresskomitee zur weltweiten Gemeinschaft

Die Finanzen der MWK sind im Lot, vor allem auch dank einer zusätzlichen Fundraisingkampagne in Nordamerika, sagte Kassier Ernst Bergen. Aber auch die von der Vision abgeleiteten Dreijahres-Ziele und Massnahmen laufen nach Plan. Die Unterstützung von Gemeinden, die in schwierigen Situationen leben, das Gespräch mit andern christlichen Kirchen und die Planung der Zukunft der MWK standen dabei im Vordergrund. Nach dem Abschluss der lutherisch-mennonitischen Gespräche kam es zu einem historischen Akt der Versöhnung in Stuttgart im Juli. MWK-Vizepräsidentin Janet Plenert, Kanada betonte in Addis Abeba, dass Larry Miller die MWK von einer Kongressorganisation, die alle sechs Jahre eine Vollversammlung organisierte zu einer weltweiten, vernetzten Gemeinschaft weiterentwickelt habe.
Ein besonderes Anliegen des amtierenden Generalsekretärs war und ist die Förderung der Mitglieder im Süden. Unlängst wurde ein Büro der MWK in Kalifornien, USA geschlossen und eines in Kinshasa, Kongo eröffnet. Damit wird der Bedeutung der wachsenden Mitgliederzahlen im Süden Rechnung getragen.

Auf zur nächsten Weltkonferenz!

Nach einer Zeit der Gespräche hat der Vorstand entschieden die Vollversammlung der MWK, wie sie im Sommer 2009 in Paraguay stattgefunden hat, weiterhin alle sechs Jahre durchzuführen. Somit sollen die nächsten Grossversammlungen in Jahren 2015, 2021 und 2025 oder 2027 stattfinden. Als Veranstaltungsländer sind USA, Indonesien und Europa im Gespräch. Im Jahr 2025 wird es 500 Jahre her sein seit der Taufe der der ersten Täufer in Zürich sowie 100 Jahre seit der ersten Vollversammlung der MWK im Jahre 1925 in Basel. Die Mennoniten Europas sind angefragt, wann und wohin sie zur Jubiläumsversammlung einladen wollen. Alfred Neufeld, Paraguay schlägt vor im Vorfeld dieses Treffens Mennoniten aus aller Welt einzuladen, in Zürich, der Wiege des Täufertums wieder Fuß zu fassen.

Neue Gremien in Aktion

Ein große Herausforderung für die MWK ist die Einführung der neuen Gremien, die alle in Paraguay neu besetzt wurden. Besonders durch den angekündigten Wechsel des Generalsekretärs wird die übrige Equipe der MWK stark gefordert sein. Seit Juli 2009 vertritt Rainer Burkart, leitender Prediger der Mennonitengemeinde Neuwied (Deutschland) mit Markus Rediger, Bern (Schweiz) zusammen Europa im Exekutivkomitee (Vorstand) der MWK.

Die größte Mitgliedkonferenz lebt

Mit 368.710 Mitgliedern ist die Meserete Kristos Kirche die größte Mitgliedkonferenz der MWK. Dieses Gemeindeverband umfasst 518 Gemeinde, 200 Prediger und über zahlreiche Gemeindegründungsgruppen. Äthiopien ist mit gegen 80 Millionen Einwohnern bevölkerungsmäßig das zweitgrößte Land Afrikas. Das Lebensmittelhilfeprogramm der Uno hat im letzen Jahr rund 10 Millionen Leute unterstützt. Das ist es kein Wunder ist auch die Kirche stark gefordert. Alle MWK-Vertreter waren von den Gemeinden zu Gottesdiensten eingeladen und konnten sich von der lebendigen Atmosphäre, dem Hunger nach Gott und der Herzlichkeit der Gemeindemitglider überzeugen. Als Zeichen der Hoffnung und der Zuwendung Gottes hat die MWK auf einem Kirchengelände 38 Bäume gepflanzt. Rainer Burkart sagte zum Gottesdienstbesuch in Addis Abeba: „Eine Wellblechhütte, vollgestopft mit Menschen die dorthin kommen weil sie Hoffnung suchen, weil das für ihr Leben unverzichtbar ist. Das ist teilweise etwas, was wir verloren haben.“

Von: Markus Rediger, Mitglied Exekutivkomitee MWK, Ältester Mennonitengemeinde Bern, Schweiz
Bildunterschrift: Exekutivkomitee 2009 -2015 in Addis Abeba (Foto: MERLE GOOD)