Lutheraner und Mennoniten: Frieden als gemeinsames Anliegen

LACPAC-Mennos_01BOGOTÁ – (LWI) LutheranerInnen und MennonitInnen der Region Lateinamerika und die Karibik haben sich im Rahmen einer regionalen Konferenz des Lutherischen Weltbundes (LWB), bei der eine mennonitische Delegation empfangen wurde, feierlich ihres gemeinsamen Engagements für den Frieden in der Welt erinnert. Die Konferenz fand im kolumbianischen Bogotá statt.

Seit 1980 gibt es lutherischerseits Bemühungen um engere Beziehungen zur mennonitischen Tradition. Insbesondere geht es dabei darum, das Bedauern über die Verfolgungen zum Ausdruck bringen, deren Opfer MennonitInnen und andere AnabaptistInnen auch auf lutherisches Betreiben hin im 16. und 17. Jahrhundert waren.

An der Vorbereitenden Konsultation zur LWB-Vollversammlung für die Kirchen in Lateinamerika und der Karibik, in deren Rahmen auch eine Kirchenleitungskonferenz stattfand, nahm unter anderem eine Delegation der Mennonitischen Kirche Kolumbiens (IMCOL) teil. Bei der Tagung wurden sowohl die leidvolle Geschichte, von der die lutherisch-mennonitischen Beziehungen geprägt sind, als auch die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Fortschritte im ökumenischen Dialog thematisiert.

Anlässlich seiner Tagung in Genf im Oktober 2009 hatte der LWB-Rat eine Erklärung angenommen, in der Gott und die MennonitInnen um Vergebung gebeten werden für „das Leiden, das unsere Vorfahren im 16. Jahrhundert den Täufern zugefügt haben, für das Vergessen oder Ignorieren dieser Verfolgung in den folgenden Jahrhunderten und für alle unzutreffenden, irreführenden und verletzenden Darstellungen der Täufer und Mennoniten, die lutherische Autoren bis heute in wissenschaftlicher oder nichtwissenschaftlicher Form verbreitet haben“.

„Wir bitten Gott, dass er unseren Gemeinschaften Heilung unserer Erinnerungen und Versöhnung schenken möge“, so die Erklärung weiter.

Im Rahmen der lateinamerikanischen Vorbereitungstagung unterstrich Pfr. Tomas Orjuela, Präsident der IMCOL, die Bedeutung des Zusammentreffens am 14. April. „Für uns als Mennoniten und Mennonitinnen besteht unser Kompromiss darin, dem Herrn und unserem Land zu dienen“, so Orjuela. Als eine der historischen „Friedenskirchen“ lehnen MennonitInnen den Militärdienst im Allgemeinen ab. Diese pazifistische Haltung wird staatlicherseits häufig mit Strafen geahndet. Orjuela begrüsste die lutherischen Initiativen als Zeichen der Demut.

Der designierte LWB-Generalsekretär Pfr. Martin Junge äusserte sich ebenfalls zur lutherisch-mennonitischen Geschichte und zu dem Versöhnungsakt, der anlässlich der Elften LWB-Vollversammlung im Juli geplant ist. „Die Geschichte kann nicht ungeschehen gemacht werden. Wir müssen Verantwortung für sie übernehmen und sicherstellen, dass sie sich nicht wiederholt“, so Junge, derzeit LWB-Gebietsreferent für Lateinamerika und die Karibik.

„Dem Frieden müssen konkrete Formen gegeben werden, so wie es heute Nachmittag der Fall ist“, betonte Jenny Neme, ein Mitglied der mennonitischen Delegation, die für das christliche Zentrum für Gerechtigkeit, Frieden und gewaltloses Handeln, JUSTAPAZ, tätig ist. Das seit 1990 bestehende Zentrum hat sich zum Ziel gesetzt, gegen die Gewalt und soziale Ungerechtigkeit anzugehen, unter der Teile der kolumbianischen Bevölkerung leiden. „Diese Versöhnungsakte sind ein Zeugnis, das weit über die Kirchen hinaus Bedeutung hat, denn es spricht die Sehnsucht der Menschheit nach Frieden an“, so Neme weiter.

Der mennonitische Pfarrer Ricardo Pinzón erklärte vor den lutherischen Teilnehmenden: „In einer Welt der Globalisierung müssen wir Frieden und gewaltlose Initiativen globalisieren. Ihr Beschluss eröffnet uns die Möglichkeit, auf Vergebung und Versöhnung neue Hoffnungsszenarien aufzubauen.“

Gemeinsam feierten LutheranerInnen und MennonitInnen einen Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt eine Kerze stand, die die Farbe Violett – zum Zeichen der Busse – mit der Farbe Weiss – als Zeichen der Freude der Auferstehung – vereinte. Die Gottesdienstteilnehmenden tauschten geschwisterliche Umarmungen aus.

„Ich werde den heutigen Tag und dieses Fest des Friedens nie vergessen“, erklärte Pfr. Errol Inshanally, Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Guyana. Die Teilnehmenden stimmten spontan ein Lied basierend auf den Worten des 133. Psalms an: „Siehe, wie schön und gut es ist, wenn Brüder und Schwestern versammelt sind“.

Der Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien, Pfr. Dr. Walter Altmann, überbrachte die Grüsse des ÖRK und stellte einen Bezug her zwischen dem Einsatz für den Frieden der Welt und der vom ÖRK initiierten „Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Frieden und Versöhnung“ (DOV). Altmann verwies auf die Internationale ökumenische Friedenskonvokation, in deren Rahmen das im Verlauf der 2001 gestarteten DOV Erreichte gefeiert werden solle und die 2011 in Kingston (Jamaika) stattfinden wird.

Die LWB-Vorbereitungstagung beendete am Freitag, 16. April, ihre Geschäftssitzungen. Es nahmen etwa 50 Personen an der Tagung teil, darunter 26 Delegierte aus den 16 LWB-Mitgliedskirchen in der Region sowie VertreterInnen ihrer Missionspartner, ökumenische Gäste und LWB-Mitarbeitende.

(Foto © IELCO/Luis Eduardo Ramirez)  Quelle: LWB