Das Leitbild vom „gerechten Frieden“ ist eine Chance für die weltweite Ökumene

FREISING – Das Leitbild vom „gerechten Frieden“ soll das Verständnis für Gerechtigkeit, Frieden und nachhaltige Bewahrung der Schöpfung vertiefen und die Arbeit gegen Gewalt und schädliche Auswirkungen kultureller Prägungen bei uns und weltweit erfolgreich bündeln. Das ist das Ergebnis einer ökumenischen Konsultation, zu der die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und das Offene Forum zur „Dekade zur Überwindung von Gewalt“ vom 8.-10. Februar 2010 nach Freising eingeladen hatte. 90 Aktive aus Kirchen, Initiativen und Basisgruppen bereiteten dort unter dem Motto „Ehre sei Gott und Friede auf Erden“ die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation (IÖFK) vor, die der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) 2011 in Kingston/Jamaika zusammenrufen wird. Das Leitbild vom „gerechten Frieden“ erweise sich gleichzeitig als Chance, die Ökumene als wesentliches Merkmal für die Lebendigkeit von Kirche in Deutschland und weltweit zu stärken. In dieser Weise orientierte sich die Konsultation für die weitere Arbeit an einem unfassenden Frieden im Sinne des Schalom im Hier und Jetzt. „Die Zukunft der Kirche wird ökumenisch sein und die Kirche wird ihr Zeugnis in ökumenischer Gemeinschaft unter die Leute bringen. Anders ist sie nicht glaubwürdig“, betonte der Vorsitzende der ACK, Landesbischof Weber (Braunschweig), in seinem Grußwort.

Neben Fragen der Friedenstheologie behandelten die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen vier Themenbereiche, nämlich die tägliche Gewalt in unserer Gesellschaft, die nachhaltige Bewahrung der Schöpfung, eine gerechte ökonomische Ordnung und Ansätze für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Völkern sowie innerhalb von Staaten. Die wichtigsten Erkenntnisse der Konsultation im Bildungszentrum Kardinal Döpfner-Haus sollen in einer „Ökumenischen Agenda für einen gerechten Frieden“ zusammengefasst werden. Einführende Vorträge hielten der Theologiedozent Dr. Fernando Enns (Universität Hamburg), Dirk Baier (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachen, Hannover), Rev. Dr. Peter Pavlovic (Konferenz Europäischer Kirchen, Brüssel), Dr. Imme Scholz (stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Bonn) und Prof. Dr. Jochen Hippler (Politikwissenschaftler am Institut für Entwicklung und Frieden, Universität Duisburg-Essen). Prof. Konrad Raiser, früherer Generalsekretär des ÖRK und gegenwärtig Moderator einer international zusammengesetzten Gruppe, die für die IÖFK den Entwurf einer Erklärung zum gerechten Frieden erarbeitet, nahm ebenfalls an der Konsultation teil.

Die Ökumenische Konsultation in Freising steht am Ende der Dekade zur Überwindung von Gewalt. Die Dekade wurde von der 8. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1998 in Harare im Rahmen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung für die Jahre 2001 bis 2010 ausgerufen. 2006 beschloss die 9. Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre, die Erfahrungen und Erfolge der zehnjährigen Arbeit bei der Überwindung von Gewalt in eine Internationale Ökumenische Friedenskonvokation einmünden zu lassen, die vom 17.-25. Mai 2011 in Kingston/Jamaika stattfinden wird. Diese Konvokation soll eine „ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden“ verabschieden und Impulse für die Weiterarbeit am „gerechten Frieden“ setzen.