Hoffnung auf Frieden in Indien

AKRON/Pennsylvania (MCC)  – Die Christen im indischen Bundesstaat Orissa betrachten das Ergebnis der Parlamentswahlen vom April und Mai als Gebetserhörung. So stellt es Dr. Bijoy K. Roul dar, der die Region Südasien der Brüder-in-Christo-Gemeinden verwaltet.

Die christliche Minderheit in Orissa sah sich Ende August 2008 zahlreichen Angriffen ausgesetzt. Viele Christen erheben den Vorwurf, dass radikale Hindu-Gruppierungen zu Gewalt aufgehetzt hatten. Bei den jüngsten gesamtindischen Wahlen gewann die regierende Kongresspartei (CP), die einen säkularen Ansatz verfolgt, Parlamentssitze hinzu, während die oppositionelle Bharatiya Janata Party (BJP), die für den Hindunationalismus steht, Sitze einbüßen musste.

Das Mennonite Central Committee (MCC) ist in Orissa in der Friedensarbeit engagiert. Es fördert Workshops zum Thema Frieden und Versöhnung und unterstützt lokale Verantwortungsträger dabei, sich in diesem Bereich fortzubilden. Das MCC will auch finanzielle Unterstützung bereitstellen, damit zwei führende Vertreter der Brüder-in-Christo-Gemeinden in Orissa das Henry-Martyn-Institut besuchen können, eine Bildungseinrichtung für religionsübergreifende Beziehungen im indischen Hyderabad.

In Orissa gibt es 118 Brüder-in-Christo-Gemeinden, die etwa 7 000 Mitglieder zählen. Wie auch andere christliche Gruppen waren die Brüder in Christo direkt von der Gewalt betroffen. Wohnhäuser und kirchliche Liegenschaften wurden niedergebrannt.

Die Brüder-in-Christo-Gemeinden in Orissa wollen in diesem Jahr einen friedensstiftenden Dialog mit Christen, Hindus und führenden Vertretern der Politik ausrichten. Ziel ist es, so Roul, ein bunt gemischtes Team überzeugter Friedensstifter zu bilden, das in Gegenden, in denen das Gewaltrisiko weiter schwelt, zum Abbau von Spannungen beitragen kann.

Zur Aussicht auf Frieden in Orissa äußert sich Roul vorsichtig optimistisch. Im Vorfeld der Wahlen hat die den Bundesstaat regierende Partei ihr Bündnis mit der BJP aufgekündigt und zugesagt, die Sicherheit der Christen zu verbessern, so zum Beispiel derjenigen, die während der Gewaltausbrüche 2008 geflohen waren.

„Es gibt immer noch Menschen, die im Waldgebiet in Lagern leben“, berichtet Roul. Es werde noch weitere Zeit brauchen, bis sie zurückkehrten.

Im größeren Rahmen richten die Mennoniten und Brüder in Christo in ganz Indien Friedenskomitees ein, um die Spannungen zwischen den verschiedenen religiösen, politischen und ethnischen Gruppen in ihrem jeweiligen Umfeld abzubauen. Vom 19. bis zum 26. Juni werden Vertreter/innen von acht mennonitischen und Brüder-in-Christo-Konferenzen in Orissa zusammenkommen, um ihre Arbeit zu koordinieren. Das berichtet Earl Zimmerman aus Harrisonburg/Virginia, der die MCC-Indien-Arbeit mit koordiniert.

Das Treffen, das von der „Mennonite Christian Service Fellowship of India“ (Indische mennonitische Gemeinschaft für christliche Dienste) ausgerichtet wird, wird vom MCC finanziell unterstützt.

Tim Shenk schreibt für das MCC.
Übersetzung: cof