Aufflammen gewalttätiger Übergriffe auf Christen in Vietnam

IGFMGIA LAI – Nur wenige Wochen, nachdem der amerikanische Präsident eine „Verbesserung der Religionsfreiheit in Vietnam“ öffentlich gelobt hatte, kam es erneut zu gewalttätigen Übergriffen der Polizei auf die Hauskirchen der Mennoniten und der „Full Gospel Church“. Die Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sieht darin die Umsetzung eines Geheimdokuments mit Anweisungen zur Bekämpfung christlicher Minderheiten in Vietnam, auf das die IGFM bereits Anfang 2008 aufmerksam gemacht hat.

Weiterhin fliehen christliche Montagnards aus den zentralvietnamesischen Bergregionen vor der staatlichen Gewalt nach Kambodscha und dann weiter nach Thailand, weil sie sich in den UNHCR-Flüchtlingslagern zur Rückkehr genötigt fühlen und ihre Anträge auf Asyl  extrem schleppend und schikanös bearbeitet werden. Die IGFM ruft Vietnam auf, seiner Verantwortung als derzeitiges vorsitzendes Mitglied des UN-Sicherheitsrates gerecht zu werden, das Recht auf Religionsfreiheit zu gewährleisten und für die Sicherheit der Christen zu sorgen.

Mennonitischer Pastor Nguyen Cong Chinh bei Angriffen verletzt

Nach Informationen der IGFM wurde der mennonitische Pastor Nguyen Cong Chinh, Vorsitzender der „Evangelischen Gemeinschaft ethnischer Völker Vietnams“ (Vietnamese People’s Evangelical Fellowship, VPEF) am 12. Juli 2008 von Polizisten der Religionsabteilung PA38 der Provinz Gia Lai schwer misshandelt. Zuvor hatte die Polizei sein Haus durchsucht, seinen Computer beschlagnahmt und ihn unter Hausarrest gestellt. Täglich wurde Pastor Chinh in den letzten zwei Monaten von der Polizei verhört.  Ende Januar 2008 suchte er sich mit einer Gruppe von Montagnard-Pastoren Hanoi auf, um sich über die Drangsalierung von Christen in den zentralvietnamesischen Bergregionen beim Ministerium für Öffentliche Sicherheit zu beschweren. Seitdem setzt ihn die örtliche Polizei unter Druck, obwohl das Ministerium ihm versprochen hatte, den Vorwürfen nachzugehen.

Die vietnamesische Regierung sieht in der „Evangelischen Mitbrüderschaft ethnischer Völker Vietnams“ einen „gefährlichen“ Zusammenschluss von Christen und ethnischen Minderheiten und damit eine „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ und will sie nach Meinung der IGFM auflösen. Die Regierung bezeichnet die Montagnard-Christen als „Tin Lanh Dega“ (Dega Protestanten), die „den evangelischen Glauben für separatistische Zwecke missbrauchen“ und von „ausländischen Mächten gesteuert“ sind, um das Land zu unterminieren. Im „Trainingsdokument zu den Aufgaben mit den Protestanten in der nördlichen Bergregion“, das vom Regierungskomitee für Religionsangelegenheiten Ende 2007 herausgegeben wurde, werden Staatsbeamte angewiesen, die „abnormal schnelle und spontane Ausbreitung des protestantischen Christentums in den nördlichen Provinzen entschieden zu unterbinden“. Die derzeitige Gewalt gegen die Montagnards zeigt, dass es ähnliche Anweisung gegen ethnische Christen in den Bergen Zentralvietnams geben muß. Bereits im Februar 2008 hatte die IGFM das Dokument analysiert und scharf kritisiert.

Flucht und Verschleppung

In einem Interview mit Radio Free Asia am 30. Juni 2008 berichtete der mennonitische Pastor A Dung, dass er am 3. Juni 2008 in Phnom Penh (Kambodscha) verschleppt und nach Vietnam gebracht worden sei. Man habe ihn zehn Tage lang eingesperrt gehalten und dann vor ein Volkstribunal in seinem Heimatort Sa Thay in der Provinz Kontum gezerrt. Schließlich habe man ihn wegen des Fluchtversuches für ein Jahr unter Hausarrest gestellt. Er lebe heute in Angst und Bange in Vietnam. Der Fall von Pastor A Dung stärkt das Anliegen von rund 40 Montagnards in Thailand. Sie waren zwischen Mai und Juli 2008 aus den UNHCR-Flüchtlingslagern in Kambodscha geflohen, weil der UNHCR „täglich Druck ausübte, damit sie die freiwillige Rückkehreinwilligung (nach Vietnam) unterschreiben“.

Pastor A Dung war am 12. Juni 2007 von Vietnam nach Kambodscha geflohen und hatte dort beim UNHCR Asyl beantragt. Bis zu seiner Verschleppung aus Phnom Penh nach Vietnam hatte er elf Monate auf eine Entscheidung des UNHCR bezüglich seines Flüchtlingsstatus gewartet. Der IGFM ist Pastor A Dung wegen seiner Aktivitäten für die mennonitischen Hauskirchengemeinden im zentralvietnamesischen Hochland bekannt. Seit September 2006 wurde er verfolgt, nachdem er an einem Fortbildungskurs seiner Kirche in Kambodscha teilgenommen hatte.

Quelle: IGFM